Für die Aktionäre der Marinomed Biotech AG (ISIN: ATMARINOMED6) hat sich die Lage in der vergangenen Woche noch einmal deutlich verschärft. Das österreichische Biotechunternehmen teilte am späten Abend des 16. Juli mit, dass es ein gerichtliches Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung beantragen will. Damit gibt das Management einen erheblichen Teil der Kontrolle ab, denn die Führung des Verfahrens liegt dann nicht mehr in den Händen des Vorstands. Auslöser ist ein Rückschlag, der von außen kam. Der bereits im November 2024 gerichtlich genehmigte Sanierungsplan lässt sich nach Unternehmensangaben nicht mehr erfüllen, weil ein Geschäftspartner die Verhandlungen abgebrochen hat und erwartete Zahlungen ausblieben. Dadurch droht dem Unternehmen die Zahlungsunfähigkeit.
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Warum der Carragelose-Verkauf zum Knackpunkt wurde
Marinomed hatte sich vor einigen Jahren neu aufgestellt und den Geschäftsbereich Carragelose an den französischen Pharmadienstleister Unither verkauft. Ein Teil des Kaufpreises war dabei nicht sofort fällig, sondern an den späteren Geschäftserfolg gekoppelt. Solche Earnout-Konstruktionen sind in der Branche üblich, weil sie den Verkaufspreis flexibel machen. Sie bergen aber ein Risiko, das in diesem Fall nun sichtbar wird.
Denn wer auf spätere Zahlungen setzt, ist auf die Entwicklung beim Käufer angewiesen. Bleiben die Beträge aus, fehlt dem Verkäufer plötzlich Liquidität, die fest eingeplant war. Genau diese Lücke hat Marinomed nach eigener Darstellung getroffen. Das Unternehmen will deshalb rechtliche Schritte gegen den Käufer prüfen und diese Ansprüche in das neue Verfahren einbringen.
Was Marinomed jetzt noch in der Hand hält
Bleibt die Frage, welche Substanz überhaupt noch vorhanden ist. Das Unternehmen verweist ausdrücklich auf die Marinosolv-Plattform. Diese Technologie soll schwer lösliche Wirkstoffe in wässrige Lösungen bringen und damit besser verfügbar machen. Sie gilt als das eigentliche Kernvermögen des Unternehmens und dürfte im Sanierungsverfahren eine zentrale Rolle spielen, sei es als Basis für einen Neustart oder als verwertbares Asset.
Ob daraus ein tragfähiger neuer Sanierungsplan wird, ist offen. Ein zweites Verfahren binnen weniger Jahre bedeutet für Gläubiger und Aktionäre erst einmal Unsicherheit. Zudem hängt vieles davon ab, wie schnell und wie erfolgreich die rechtlichen Ansprüche durchgesetzt werden können. Solche Auseinandersetzungen ziehen sich häufig über lange Zeiträume, während der Liquiditätsbedarf sofort besteht.
Der Blick nach vorn
Für Anleger ist die Nachricht deshalb schwer einzuordnen, weil der Ausgang stark von externen Faktoren abhängt. Positiv ist immerhin, dass das Unternehmen frühzeitig reagiert und den geordneten Weg über das Gericht wählt. Damit besteht überhaupt die Möglichkeit, die Finanzstruktur neu zu ordnen. Klarheit dürfte es aber erst geben, wenn ein neuer Sanierungsplan vorliegt und die Beteiligten darüber entschieden haben. Bis dahin bleibt die Marinomed-Aktie ein Wert mit außergewöhnlich hohem Risikoprofil.









