Der Sitz- und Interieurspezialist Grammer (ISIN: DE0005895403) muss seine Gewinnerwartung für 2026 zurücknehmen. Nach vorläufigen Zahlen, die das Unternehmen am 14. Oktober 2026 veröffentlichte, ist der Umsatz im dritten Quartal kräftig gestiegen, das operative Ergebnis aber gesunken. Teure Produktionsanläufe in Amerika, die Folgen des Iran-Konflikts und Sonderzölle in den USA und Mexiko haben die Marge belastet. Die Jahresprognose für das operative EBIT sinkt deshalb um rund ein Achtel, während das Umsatzziel unverändert bleibt.
Was im dritten Quartal bei Grammer passiert ist
Zwischen Juli und September setzte Grammer 473,4 Millionen Euro um, nach 433,2 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Das entspricht einem Plus von gut neun Prozent. Das operative EBIT fiel dagegen von 14,3 auf 11,4 Millionen Euro. Die operative Marge liegt damit bei rund 2,4 Prozent und bleibt dünn.
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In diese Kennzahl rechnet der Konzern Währungseffekte und Sonderposten heraus. Im Quartal fielen Restrukturierungskosten von 7,5 Millionen Euro an, denen aufgelöste Rückstellungen von 4,4 Millionen Euro gegenüberstanden. Unter dem Strich belasteten Sondereffekte also mit 3,1 Millionen Euro, hinzu kamen negative Währungseffekte von rund 0,6 Millionen Euro.
Anlaufkosten in Amerika als Bremsklotz
Den größten Teil der Erklärung liefert die Region Americas. Nach dem Produktionsstart neuer Projekte im Juli fielen die Anlaufkosten nach Unternehmensangaben unerwartet hoch aus. Solche Kosten entstehen, wenn Werke neue Fertigungslinien hochfahren und die Abläufe noch nicht eingespielt sind. Dazu kommen die Zölle in Nordamerika und die Belastungen durch den Iran-Konflikt, die auf Konzernebene wirken.
Positiv bleibt, dass die neuen Projekte Umsatz bringen. Gerade bei Zulieferern zeigt sich häufig, dass die Kosten eines Anlaufs zuerst kommen und die Erträge später. Sobald die Anlaufprobleme behoben sind, sollte sich das auch im Ergebnis zeigen. Das ist allerdings eine Einschätzung, die das Management in seiner Mitteilung nicht mit Zahlen unterlegt hat.
Neun Monate besser als im Vorjahr
Über neun Monate betrachtet steht Grammer dennoch besser da als 2025. Der Umsatz stieg auf 1,43 Milliarden Euro nach 1,39 Milliarden Euro, das operative EBIT auf 53,2 Millionen Euro nach 49,9 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr erwartet der Vorstand nun ein operatives EBIT von rund 70 Millionen Euro statt bisher etwa 80 Millionen Euro, beim Umsatz bleibt es bei rund 1,9 Milliarden Euro. Rechnerisch ergeben sich damit für das vierte Quartal knapp 17 Millionen Euro operatives EBIT, also deutlich mehr als im gerade abgelaufenen Quartal. Wie belastbar dieses Ziel ist, wird die Quartalsmitteilung am 30. Oktober 2026 genauer zeigen.








