Die Berichtssaison hat den deutschen Nebenwerten in der Woche vom 19. bis 23. Oktober ein gemischtes Bild beschert. Der MDAX verlor auf Wochensicht 2,5 Prozent und schloss am Freitag bei 29.867 Punkten. Der SDAX gab um 0,6 Prozent auf 18.104 Punkte nach, während sich der TecDAX mit einem kleinen Plus von 0,2 Prozent bei 4.021 Punkten behauptete. Der DAX büßte 1,7 Prozent auf 25.182 Punkte ein. Auf die Stimmung drückten hohe Ölpreise, Zweifel am Nutzen der gewaltigen KI-Investitionen und zum Wochenschluss schwache Konjunkturdaten aus Frankreich. Mehrere Firmen hoben ihre Prognosen an, andere mussten zurückrudern, und in der Chemie wie bei Wohnimmobilien wurde um große Beteiligungen gerungen.
Evonik: BASF bessert offenbar nach
Am Freitagabend, 23. Oktober, verdichteten sich Berichte, wonach BASF ihr Übernahmeangebot für Evonik Industries (ISIN: DE000EVNK013) auf rund 24 Euro je Aktie anheben will. Das entspräche gut 11 Milliarden Euro. Bislang war von etwa 22,15 Euro je Aktie die Rede. Bestätigt haben beide Konzerne die Zahlen nicht. Die Evonik-Aktie legte am Freitag 2,7 Prozent zu und gehörte damit zu den wenigen Gewinnern im MDAX.
Den Ausschlag gibt die RAG-Stiftung, die rund 43 Prozent an Evonik hält und in deren Kuratorium überwiegend Politiker sitzen. BASF-Chef Markus Kamieth wirbt deshalb mit Standortzusagen und einem Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis 2032. Der Preis allein dürfte die Entscheidung kaum tragen, denn die Frage der Arbeitsplätze wiegt politisch mindestens ebenso schwer.
Krones senkt unter neuem Chef die Erwartungen
Einen Dämpfer setzte es am Donnerstag beim Abfüllanlagenbauer Krones (ISIN: DE0006335003). Für 2026 rechnet das Unternehmen währungsbereinigt nur noch mit 1 bis 2 Prozent Umsatzwachstum statt 3 bis 5 Prozent. Das Umsatzziel für 2028 sinkt von rund 7 auf 6,0 bis 6,2 Milliarden Euro, und beim mittelfristigen Margenziel wurde der obere Rand auf 12 Prozent gekappt. Krones verweist auf schwierige Absatzmärkte und höhere Kosten der Kunden durch geopolitische Spannungen. Die Aktie fiel zeitweise um fast 9 Prozent, erholte sich bis zum Schluss aber weitgehend.
Dass Vorstandschef Thomas Ricker wenige Monate nach seinem Amtsantritt die Ziele neu justiert, lässt sich auch als Bereinigung lesen. Offen ist, wie lange sich die Kunden mit Investitionen zurückhalten.
Jenoptik profitiert vom Halbleitergeschäft
Jenoptik (ISIN: DE000A2NB601) erhöhte am Mittwoch nach einem starken dritten Quartal die Prognose für die operative Marge (EBITDA-Marge) 2026 auf rund 22 Prozent, zuvor waren 20 bis 21 Prozent geplant. Treiber sind gute Geschäfte mit Herstellern von Chipmaschinen, zu denen ASML gehört. Die Aktie schloss gut 12 Prozent höher. In einer Woche, in der viele Halbleiterwerte unter den KI-Zweifeln litten, setzte Jenoptik damit einen klaren Kontrapunkt.
Friedrich Vorwerk hebt erneut an
Ebenfalls am Mittwoch hob der Pipeline- und Netzbauer Friedrich Vorwerk (ISIN: DE000A255F11) seine Jahresziele an. Erwartet werden nun 760 bis 790 Millionen Euro Umsatz und 220 bis 230 Millionen Euro EBITDA, nach zuvor 730 bis 780 Millionen und 180 bis 200 Millionen Euro. Im dritten Quartal stieg der Umsatz nach vorläufigen Zahlen um 13 Prozent, das operative Ergebnis um 58 Prozent auf knapp 81 Millionen Euro. Die Aktie legte 8,9 Prozent zu, Großaktionär MBB (ISIN: DE000A0ETBQ4) 7,9 Prozent. Spannend bleibt, wie viel davon auf die deutlich gesunkenen Materialkosten zurückgeht, die das Unternehmen als Faktor nennt.
Grand City Properties steigt groß bei LEG ein
Grand City Properties (ISIN: LU0775917882), eine Tochter von Aroundtown (ISIN: LU1673108939), hält nun 20,04 Prozent an LEG Immobilien (ISIN: DE000LEG1110) und ist damit größter Einzelaktionär. Das Paket ist mehr als 700 Millionen Euro wert. Am Mittwoch stiegen LEG um 4,5 Prozent, Grand City um 5,6 Prozent und Aroundtown um 5,4 Prozent. Die Logik dahinter: LEG notiert an der Börse deutlich unter dem Buchwert, der Einstieg ist also günstiger als der Kauf von Wohnungen. Grand City spricht von einer Finanzbeteiligung, schließt aber eine Aufstockung auf bis zu 29,9 Prozent nicht aus. Diese Marke liegt knapp unter der Schwelle für ein Pflichtangebot.
Atoss Software: Mehr Marge, weniger Umsatzschwung
Atoss Software (ISIN: DE0005104400) hob am Freitag den Margenausblick an. Beim Umsatz peilt der Softwareanbieter dagegen nur noch das untere Ende der Spanne von 210 bis 215 Millionen Euro an, weil das Lizenzgeschäft schneller schrumpft als erwartet. Anleger gewichteten das stärker, die Aktie verlor fast 9 Prozent. Zuvor hatte sie sich seit Ende September um gut ein Fünftel erholt, Gewinnmitnahmen lagen also nahe.
SGL Carbon macht eine Altlast zu Geld
SGL Carbon (ISIN: DE0007235301) verkauft den 2025 stillgelegten Carbonfaser-Standort Moses Lake in den USA für 70 Millionen Dollar. Davon fließen 45 Millionen noch 2026, um diesen Betrag steigt die Prognose für den freien Mittelzufluss. Die Aktie gewann am Freitag 2,5 Prozent.
Was die kommende Woche bringt
Im Mittelpunkt stehen die Notenbanken: Die Fed entscheidet am Mittwoch, 28. Oktober, die EZB am Donnerstag, 29. Oktober, über die Zinsen. Bei den Nebenwerten berichten am Mittwoch Traton und Delivery Hero, am Donnerstag folgen Kion, Wacker Chemie, Alzchem, Aixtron, Befesa, Drägerwerk und LPKF. Am Freitag, 30. Oktober, legen Fuchs und Puma Zahlen vor. Nach dem Dämpfer bei Krones wird besonders spannend, ob Kion ähnliche Zurückhaltung der Kunden spürt. Die BASF-Zahlen am Mittwoch könnten zudem neue Signale im Werben um Evonik liefern.
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