Summary
- 2025 markiert bei LION E-Mobility den Übergang von der Krisenphase zu einer belastbaren operativen Basis.
- NMC+-Batteriepacks, Immersion Cooling und Systemkompetenz prägen die strategische Neuausrichtung.
- Erste Aufträge bei BESS und eine umfangreiche Pipeline eröffnen mittelfristig neue Erlösdimensionen.
- Ergebnis, Cashflow und Eigenkapital zeigen eine klare Trendwende, bleiben aber beobachtungsbedürftig.
- LION ist kein Selbstläufer, aber wieder ein ernstzunehmender industrieller Akteur mit Perspektive.
Ein Unternehmen nach der Zäsur
LION E-Mobility gehört zu jenen Unternehmen, die den Umbruch in der Elektromobilität besonders schmerzhaft erlebt haben. Das Jahr 2024 war geprägt von einer unglücklichen Verdichtung externer Faktoren: schwache Endmärkte, Insolvenzen auf Kundenseite, hoher Preisdruck und eine Kostenstruktur, die für ein deutlich höheres Aktivitätsniveau ausgelegt war.
Diese Phase hat Spuren hinterlassen – operativ wie bilanziell. Gleichzeitig hat sie das Unternehmen gezwungen, grundlegende Entscheidungen zu treffen. 2025 steht daher weniger für ein Comeback im klassischen Sinne, sondern für eine Rückkehr zur industriellen Ordnung: weniger Volumenfixierung, mehr Fokus auf Wirtschaftlichkeit, Technologie und Umsetzbarkeit.
Die Zahlen der ersten neun Monate 2025 spiegeln diesen Übergang wider. Der Umsatz steigt wieder signifikant, das EBITDA dreht klar ins Positive, und erstmals seit längerem erwirtschaftet das operative Geschäft wieder einen positiven Cashflow. Das ist keine Momentaufnahme, sondern Ausdruck einer veränderten Kosten- und Projektlogik.
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Vom reinen Batteriepack zur Systemkompetenz
Strategisch rückt LION wieder näher an seine eigentliche Stärke: die Verbindung von Batterietechnologie, Systemintegration und industrieller Umsetzung. Das Unternehmen war nie nur Auftragsfertiger – auch wenn es zeitweise so wahrgenommen wurde. Die aktuelle Produkt- und Entwicklungsagenda unterstreicht diesen Anspruch.
Im Mobilitätsgeschäft steht das NMC+-Batteriesystem im Zentrum. Die vollständige ECE-R100-Zertifizierung ist abgeschlossen, erste Fahrzeuge sollen Anfang 2026 ausgeliefert werden. Das ist kein visionärer Zukunftspunkt, sondern seriennahe Realität. Entscheidend ist dabei weniger die einzelne Anwendung als die Rückkehr in einen planbaren Produktzyklus mit Skalierungsperspektive.
Darüber hinaus arbeitet LION an Technologien, die bewusst jenseits kurzfristiger Aufträge positioniert sind. Immersion Cooling ist ein solches Thema. Die direkte Kühlung von Batteriezellen gilt als möglicher Schlüssel für Hochleistungsanwendungen – etwa im Schwerlastverkehr, bei Megawatt-Ladeszenarien oder in stationären Speichern mit hoher Leistungsdichte.
Die Entwicklungskooperation mit Castrol und die laufenden Arbeiten für einen deutschen Nutzfahrzeughersteller zeigen, dass LION hier nicht experimentell, sondern anwendungsnah vorgeht. Noch ist das Thema klar als Entwicklungsprojekt einzuordnen, doch es besitzt strategische Tiefe, weil es die technologische Positionierung des Unternehmens langfristig schärft.
BESS: Vom Ergänzungsfeld zum strategischen Pfeiler
Am deutlichsten verändert sich das Profil von LION im Bereich stationärer Energiespeicher. Mit der Tochter LION Smart entwickelt sich das Unternehmen zunehmend zum Systemintegrator für Battery Energy Storage Systems.
2025 ist dabei ein Übergangsjahr. Erste Projekte sind gewonnen, die Strukturen aufgebaut, Vertrieb und Service international erweitert. Der erste konkrete Auftrag in Deutschland ist wirtschaftlich überschaubar, aber strategisch wichtig: Er markiert den Eintritt in ein Marktsegment, das nicht von einzelnen Fahrzeugplattformen oder OEM-Zyklen abhängt.
Viel relevanter ist die ausgewiesene Pipeline. Budgetangebote im Gigawattstunden-Bereich und Gespräche mit einer dreistelligen Zahl potenzieller Kunden zeigen, dass das Marktinteresse real ist. Entscheidend wird sein, wie viele dieser Projekte in verbindliche Aufträge überführt werden können – und in welchem zeitlichen Raster.
Die Kooperation mit der B2B-Plattform CircUnomics fügt sich in dieses Bild ein. Sie erweitert den Vertriebskanal, standardisiert Angebotsprozesse und erhöht die Sichtbarkeit im industriellen Umfeld. Es ist kein Technologiesprung, aber ein Baustein für Skalierung und Marktdurchdringung.
Zahlen als Spiegel der Neuaufstellung
Die operative Entwicklung 2025 zeigt, dass die Neuausrichtung wirkt. Der Umsatz steigt in den ersten neun Monaten auf gut 16 Mio. Euro, das EBITDA erreicht rund 2,4 Mio. Euro. Noch wichtiger als das Ergebnis ist der operative Cashflow, der wieder positiv ausfällt.
Auf der Kostenseite zeigt sich eine deutlich höhere Disziplin. Materialaufwand und sonstige operative Kosten sind besser kontrolliert, die Personalkosten bleiben trotz höherer Aktivität stabil. Gleichzeitig wird weiter in Entwicklung investiert, insbesondere in neue Batterieplattformen und BESS-Komponenten.
Die Bilanz bleibt ein sensibler Punkt, zeigt aber klare Verbesserungen. Das Eigenkapital steigt, langfristige Verbindlichkeiten werden reduziert, und die Liquiditätssituation stabilisiert sich. Gesellschafterdarlehen spielen weiterhin eine Rolle, sind aber Teil einer planvollen Übergangsfinanzierung, nicht Ausdruck akuter Not.

Risiken und offene Flanken
Trotz aller Fortschritte bleibt LION ein Unternehmen mit erhöhtem Anspruch an die operative Umsetzung. Projektgeschäfte sind naturgemäß volatil, Genehmigungsprozesse im BESS-Bereich können Zeitpläne verschieben, und technologische Entwicklungen benötigen Kapital und Geduld.
Hinzu kommt der Wettbewerbsdruck. Asiatische Anbieter agieren mit aggressiver Kostenstruktur, europäische Wettbewerber mit größerer Bilanzstärke. LION positioniert sich dazwischen – mit technischer Kompetenz, lokaler Fertigung, Service und Bankability. Ob dieses Profil dauerhaft tragfähig ist, wird sich erst mit zunehmendem Projektvolumen zeigen.
Ein nüchterner, aber konstruktiver Ausblick
LION E-Mobility befindet sich nicht mehr im Krisenmodus, aber auch noch nicht in einem Zustand gesicherter Skalierung. 2025 steht für die Rückkehr zur operativen Normalität, 2026 dürfte zum Prüfstein werden, ob daraus ein nachhaltiges Geschäftsmodell entsteht.
Für Investoren ist das kein defensiver Titel. Aber es ist wieder ein Unternehmen mit industrieller Substanz, klarer technologischer Agenda und realistischen Wachstumspfaden. Nicht als Versprechen, sondern als Option – getragen von Fortschritten, die inzwischen messbar sind.








