Der französische Technologiekonzern Schneider Electric hat heute früh angekündigt, die bulgarische Shelly Group zu übernehmen. Geboten werden 70 Euro je Aktie in bar, was das Unternehmen mit rund 1,2 Milliarden Euro bewertet. Bieterin ist eine indirekte Tochtergesellschaft, beide Seiten haben eine Investitionsvereinbarung unterzeichnet. Die Offerte steht unter dem Vorbehalt einer Mindestannahmeschwelle von 95 Prozent des Grundkapitals, anschließend ist ein Delisting geplant. Die Freigabe der bulgarischen Finanzaufsicht wird für Ende November oder Anfang Dezember erwartet, der Vollzug für das erste Quartal 2027. Shelly stellt vernetzte Geräte für das Zuhause her, Sensoren, Beleuchtungssteuerungen und intelligente Steckdosen, und ist in Sofia sowie in Frankfurt im SDax gelistet. Die beiden Mitgründer halten zusammen rund 57 Prozent und unterstützen den Deal.
Für Nebenwerte-Anleger ist dieser Fall ein Lehrstück. Kleine Unternehmen werden von Analysten kaum beobachtet, dadurch entstehen größere Bewertungsunterschiede, und strategische Käufer nutzen genau die. Janus Henderson beziffert die durchschnittliche Übernahmeprämie bei globalen Small Caps auf etwa 30 Prozent, DNB Asset Management kommt für nordeuropäische Nebenwerte auf rund 35 Prozent mit Einzelfällen um 100 Prozent. In Deutschland lieferte die All for One Group im Juli das Extrembeispiel, als eine Tochter von VINCI Energies 67,50 Euro je Aktie bot, eine Prämie von 95,5 Prozent auf den Schlusskurs des Vortages.
Die Kehrseite gehört dazu. Bei Shelly liegt das Gebot nur 8,7 Prozent über dem Schlusskurs vom Dienstag, weil der Markt seit Juli Zeit hatte, die Gespräche einzupreisen. Die Schwelle von 95 Prozent ist hoch, und wer bei einem Delisting nicht andient, sitzt anschließend auf einem Papier ohne geregelten Börsenhandel.
Hinzu kommt das größere Bild. Über die vergangenen drei Monate liegt der Russell 2000 gut 4 Prozent im Minus, während der S&P 500 knapp 4 Prozent gewonnen hat. Am Mittwoch verlor der Nebenwerte-Index 1,77 Prozent, mehr als doppelt so viel wie der S&P 500. Der Grund liegt im Zinsumfeld, das wir in der heutigen Sendung ausführlich behandeln, denn die zehnjährige US-Rendite ist auf den höchsten Stand seit 2007 gesprungen. Fundamental sieht es besser aus, als die Kurse vermuten lassen: Das Gewinnwachstum je Aktie im Russell 2000 lag im zweiten Quartal bei rund 43 Prozent, erwartet worden waren 26 Prozent.
In der heutigen Ausgabe von Kursgespräch ordne ich den Fall Shelly ein, erkläre die drei Haken bei Übernahmeprämien und spreche außerdem über den Zinsschock am Anleihemarkt, die verlängerte Zollpause zum Staatsbesuch von Xi Jinping in Washington sowie die Bewegung bei den Quantencomputer-Aktien.
Die Sendung läuft börsentäglich um 10:00 Uhr live auf live.finanztrends.de, dort steht zwischen den Sendungen auch das Archiv der vorangegangenen Folgen bereit.









