Die Geschichte von All for One (ISIN: DE0005110001) als eigenständig börsennotiertes Unternehmen neigt sich dem Ende zu. Am 13. Oktober 2026 wurde das Übernahmeangebot von VINCI Energies vollzogen, einer Tochter des französischen Bau- und Infrastrukturkonzerns VINCI. Der neue Großaktionär hält damit rund 87,3 Prozent der Anteile, eigene Aktien nicht mitgerechnet. Zwei Tage später unterzeichneten beide Seiten eine Vereinbarung über den Rückzug von der Börse. Zudem kündigte VINCI Energies ein sogenanntes Delisting-Erwerbsangebot über 67,50 Euro in bar je Aktie an. Für die verbliebenen freien Aktionäre steht damit eine Entscheidung an.
All for One wird Teil von Axians
All for One ist ein IT-Dienstleister mit klarem Schwerpunkt auf Software von SAP. Das Unternehmen betreut mehr als 4.500 Kunden, vor allem in Deutschland, Österreich, Polen und der Schweiz, und begleitet sie bei der Umstellung auf Cloud und KI. Im Geschäftsjahr 2024/25 setzte die Gruppe 504 Millionen Euro um.
Künftig wird das Unternehmen in Axians eingegliedert, die Marke von VINCI Energies für Informations- und Kommunikationstechnik. Axians ist stark bei Netzwerken, Cloud und Cybersicherheit, All for One bei der Beratung rund um Unternehmenssoftware. Gemeinsam soll so ein Anbieter entstehen, der Kunden in Europa von der Infrastruktur bis zum Geschäftsprozess aus einer Hand begleitet. Ob die erhofften Vorteile eintreten, wird sich allerdings erst in den kommenden Jahren zeigen.
Warum sich die Börsennotiz kaum noch lohnt
Nach dem Vollzug der Übernahme liegt der Streubesitz nur noch bei rund 12,7 Prozent. Vorstand und Aufsichtsrat rechnen deshalb dauerhaft mit wenig Handel in der Aktie. Aus ihrer Sicht stehen Aufwand und Kosten der Notierung im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse in keinem angemessenen Verhältnis mehr zum Nutzen. Wirksam wird der Rückzug frühestens mit dem Ende der Annahmefrist des neuen Angebots.
Beide Gremien wollen den Aktionären empfehlen, das Angebot anzunehmen, sobald sie die Angebotsunterlage geprüft haben. Der Preis entspricht exakt dem des Übernahmeangebots, das VINCI Energies im Juli angekündigt hatte. Damals lag er etwa doppelt so hoch wie der durchschnittliche Kurs der drei Monate zuvor.
Was der Rückzug für die übrigen Aktionäre bedeutet
Ein Delisting verändert die Lage für verbliebene Anleger spürbar. Mit dem Ende der Notierung im regulierten Markt entfallen die strengen Berichtspflichten des Prime Standard, und ein Verkauf der Aktien dürfte schwieriger werden. Gerade deshalb schreibt das Gesetz vor, dass vor einem solchen Schritt ein Kaufangebot in bar vorliegen muss. Wer seine Papiere behält, setzt auf die Entwicklung unter dem neuen Eigentümer, verzichtet aber auf die gewohnte Transparenz und einen liquiden Börsenhandel. Für das Unternehmen selbst bedeutet der Schritt weniger Verwaltungsaufwand und mehr Konzentration auf das operative Geschäft. Weitere Details wird die Angebotsunterlage liefern, die VINCI Energies noch veröffentlichen muss.







