Die kleineren Werte haben gestern mehr Schwung gezeigt als die großen. Der SDAX legte um 0,86 Prozent auf 18.224 Punkte zu. Der MDAX gewann 0,22 Prozent auf 30.088 Punkte, der TecDAX schloss 0,18 Prozent höher bei 3.996 Punkten. Der DAX rettete nach höheren US-Inflationsdaten und steigenden Zinsen ein Plus von 0,25 Prozent auf 25.322 Punkte. Das größte Thema unter den Nebenwerten war PNE. Der Windparkentwickler senkte seine Ergebnisprognose für 2026 deutlich, weil sich Verkäufe von Projekten verschieben. Die Aktie verlor fast 20 Prozent und zog Energiekontor und Nordex mit nach unten. Kion kappte ebenfalls die Jahresziele, doch der Markt hatte damit offenbar gerechnet. Gefragt waren dagegen OHB mit einem Plus von gut zehn Prozent ohne neue Nachricht sowie Evotec nach überraschend guten Neunmonatszahlen.
Drägerwerk und Hypoport: Zahlen mit zwei Gesichtern
Bei Drägerwerk (ISIN: DE0005550636) passen Umsatz und Gewinn im dritten Quartal nicht zusammen. Nach vorläufigen Zahlen stieg der Umsatz leicht auf rund 851 Millionen Euro. Der Auftragseingang kletterte sogar um gut acht Prozent auf etwa 926 Millionen Euro. Treiber war die Sicherheitstechnik mit einem Plus von rund 20 Prozent, während die Medizintechnik weniger Aufträge verbuchte. Das operative Ergebnis (EBIT) fiel dagegen auf rund 48 Millionen Euro nach 56,7 Millionen Euro im Vorjahr. Laut Unternehmen stiegen die Kosten stärker als der Umsatz, zudem war das Vorjahresquartal ungewöhnlich stark.
Die Jahresprognose mit einer EBIT-Marge von 6 bis 8 Prozent bleibt bestehen. Nach neun Monaten liegt die Marge allerdings erst bei etwa 4,6 Prozent, und im dritten Quartal halfen Rückerstattungen von Zöllen. Das Schlussquartal muss also kräftig ausfallen, damit die Spanne erreicht wird.
Hypoport (ISIN: DE0005493365) behauptet sich in einem Markt, der unter höheren Zinsen leidet. Auf der Kreditplattform Europace stieg das Volumen der Baufinanzierungen im dritten Quartal um ein Prozent auf 19 Milliarden Euro. Sparkassen und Volksbanken wuchsen kräftig und gewannen Anteile, das Bauspargeschäft brach dagegen um 14 Prozent ein.
Neue Köpfe bei Douglas und Evotec
Gestern Abend meldete Douglas (ISIN: DE000BEAU1Y4) einen Wechsel an der Spitze. Jean-Marc Bellaiche übernimmt zum 1. November den Vorstandsvorsitz, Sander van der Laan zieht sich Ende Oktober aus dem aktiven Management zurück. Bellaiche führte fünf Jahre lang die französische Warenhauskette Printemps und arbeitete zuvor für Tiffany. Neue Finanzziele nannte Douglas nicht. Gerade darauf dürften Anleger nun warten, denn der Parfümeriehändler bewegt sich in einem anspruchsvollen Markt.
Auch Evotec (ISIN: DE0005664809) stellt sich neu auf. Joanna Holbrook, bisher in leitender Forschungsfunktion bei Novo Nordisk, wird zum 1. November wissenschaftliche Chefin und zieht in den Vorstand ein. Die Neunmonatszahlen lagen mit rund 465 Millionen Euro Umsatz über den Erwartungen, operativ schreibt Evotec aber weiter Verluste. Das Unternehmen erklärt den Vorsprung selbst vor allem mit dem Zeitpunkt der Analystenschätzungen.
Branicks kommt bei der Sanierung voran
Der Immobilienkonzern Branicks (ISIN: DE000A1X3XX4) hat sich mit seinen wichtigsten Gläubigern auf die Umsetzung seines Sanierungskonzepts geeinigt. Laut Unternehmen trägt der Plan auch, obwohl die außerordentliche Hauptversammlung am 9. Oktober einen Tagesordnungspunkt zu Beraterverträgen abgelehnt hatte. Zwei neu gewählte Aufsichtsräte nahmen ihr Amt an. Der Vollzug ist bis Ende 2026 geplant, spätestens bis Ende März 2027. Wie die Einigung im Einzelnen aussieht und was sie für die Aktionäre bedeutet, ließ Branicks offen.
Für heute stehen bei deutschen Nebenwerten kaum Termine an. Halbleiterwerte wie Aixtron und Siltronic dürften auf die Quartalszahlen von TSMC achten. Die nächsten großen Prüfsteine folgen Ende Oktober, wenn Drägerwerk und Kion ihre vollständigen Quartalsberichte vorlegen.







