Was für eine Gemengelage! Während die ökonomischen Rahmendaten trotz des hohen Engagements Donald Trumps für ein „Neues Amerika“ nicht so richtig in Schwung kommen wollen, mehren sich die geopolitischen Konflikte fast täglich. In den Nachrichten nehmen sie mittlerweile 70 % der Berichterstattung ein. Schrecklich aus humaner Sicht, viele unschuldige Menschen mussten schon wegen unklarem Machtstreben Einzelner ihr Leben lassen. Investoren befinden sich damit in einer sehr schwierigen Zeit, denn einerseits erreichten die Insolvenzen in Deutschland mit über 24.000 Anmeldungen ein neues Allzeithoch, andererseits befinden sich die großen Indizes immer noch im Bereich der Höchststände oder nur knapp darunter. Wenn also VW die Entlassung von 50.000 Mitarbeitern ankündigt, so ist das aus dem Blickwinkel der Aktionäre wohl gut, gesamtökonomisch aber ein Desaster, da weniger Einnahmen in Sachen Steuern und Sozialbeiträgen und mittelfristig weniger Konsum. Wer seine Renditen im Depot nach oben bringen will, muss den Blick trotz allen Elends auf Rüstung und Gold richten. Hier wird in den letzten Monaten Geld gedruckt in Hülle und Fülle, denn irgendwo gibt es immer auch einen Gewinner. Dennoch: Geht die Party hier unvermindert weiter?
Rüstung und Edelmetalle – Zwei Sektoren, doppeltes Renditepotenzial
Der Vergleich zwischen Goldmarkt und Rüstungs- bzw. Defense-Aktien zeigt, dass beide Sektoren in den vergangenen Jahren zu den stärksten Performern der Kapitalmärkte gehörten, allerdings aus unterschiedlichen makroökonomischen Gründen. Als Benchmark für den Rüstungssektor gilt etwa der S&P Aerospace & Defense Select Industry Index, der zuletzt eine Einjahresrendite von rund 46 % erreichte und damit deutlich über dem breiten Aktienmarkt lag. Gleichzeitig erzielten Defense-Aktien allein im laufenden Jahr zweistellige Zuwächse, da geopolitische Spannungen die Nachfrage nach militärischer Ausrüstung erhöhen. Besonders stark waren die Ausschläge nach dem russischen Angriff auf die Ukraine in 2022 und mit dem Beginn des Iran-Konflikts in 2026. Der Sektor profitiert weiterhin durch steigende Verteidigungsbudgets in Europa und den Nachschuborders in den USA.
Parallel dazu entwickelten sich Gold und auch andere Edelmetalle wie Silber und Platin zu einem der dominierenden Makro-Trades der letzten Jahre. Der Goldpreis verzeichnete allein im Jahr 2025 einen Anstieg von rund 70 %, Silber explodierte gar um 250 %, womit Edelmetalle nahezu alle klassischen Anlageklassen übertrafen. Treiber waren vor allem die hohe Inflation, massive Staatsverschuldung sowie rekordhohe Goldkäufe durch Zentralbanken. Zusätzlich fungiert Gold traditionell als Absicherung gegen geopolitische Risiken, weshalb Konflikte und wirtschaftliche Unsicherheit ebenfalls als Kurstreiber wirken. Interessanterweise zeigen Studien, dass die Renditen von Gold und Defense-Aktien in Phasen geopolitischer Spannungen sogar positiv korreliert sind.
Aus Sicht vieler Analysten basiert der aktuelle Boom im Defense-Sektor vor allem auf strukturellen Faktoren.Weltweit erhöhen Regierungen ihre Verteidigungsetats, teilweise um mehrere Prozentpunkte des Bruttoinlandsprodukts, wodurch langfristige Auftragsbücher für Rüstungskonzerne entstehen. Gleichzeitig bleibt Gold laut zahlreicher Marktstrategen ein strategischer „Makro-Hedge“, da geopolitische Risiken, Inflation und Währungsabwertungen weiter präsent sind. Für die kommenden Jahre erwarten Experten und Investmentbanken daher kein Entweder-Oder, sondern ein paralleles Wachstum beider Themen. Defense-Aktien könnten weiter von der allgemeinen Tendenz zur Aufrüstung und steigenden Budgets profitieren, während Gold stärker auf makroökonomische Unsicherheiten reagiert. Für Silber könnte auch seine industrielle Verwendung sowie die physische Knappheit für eine langfristige Aufwertung sprechen. Aus Portfolio-Perspektive gelten beide Anlageklassen deshalb zunehmend als komplementäre Bausteine in einem Umfeld wachsender geopolitischer Spannungen und struktureller wirtschaftlicher Risiken.
Barrick und Newmont im Zentrum: Die moderne Goldindustrie Nevadas
Hauptprofiteure eines manifestierten Goldtrends sind die großen Bergbau-Majors. Unser Blick gilt Nevada. Seine Wurzeln hat die moderne Goldproduktion im spektakulären Rohstoffboom des 19. Jahrhunderts. Erste Goldfunde wurden bereits 1849 entlang des Carson River entdeckt, als Prospektoren auf dem Weg zu den kalifornischen Goldfeldern im Gebiet von Dayton auf goldhaltige Sedimente stießen. Kurz darauf entwickelte sich die Region zu einem Zentrum intensiver Exploration, das schließlich 1859 in der Entdeckung der berühmten Comstock Lode gipfelte. Diese außergewöhnlich reiche Lagerstätte enthielt große Mengen Silber und Gold und löste einen der bedeutendsten Bergbaubooms der US-Geschichte aus. Rund um Virginia City entstanden rasch boomende Bergbaustädte mit zehntausenden Einwohnern, während Investoren aus San Francisco große Kapitalgesellschaften gründeten, um die Förderung industriell zu organisieren. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich Nevada zu einer der wichtigsten Metallproduktionsregionen Nordamerikas und erhielt sogar den Beinamen „The Silver State“.
Der historische Goldrausch legte zugleich die Grundlage für eine bis heute anhaltende Bergbautradition.Moderne Explorationstechnologien ermöglichten ab den 1960er-Jahren neue Entdeckungen, insbesondere entlang des sogenannten Carlin-Trends, einer der weltweit bedeutendsten Goldprovinzen. Heute ist Nevada erneut eines der wichtigsten Goldabbaugebiete der Erde und beherbergt die größten Goldminenkomplexe der USA. Im Zentrum dieser Aktivitäten steht das Joint Venture Nevada Gold Mines, das 2019 gegründet wurde. Hinter diesem Zusammenschluss stehen die beiden globalen Branchenführer Barrick Mining (A417GQ | CA06849F1080) und Newmont (853823 | US6516391066), die ihre umfangreichen Förderanlagen im Norden Nevadas zusammenlegten.
Der Komplex gilt heute als das größte integrierte Goldabbaugebiet der Welt und umfasst ein Netzwerk aus 10 Untertage- und 12 Tagebauminen sowie zahlreiche Aufbereitungsanlagen. Barrick hält mit 61,5 % die Mehrheit und fungiert als Betreiber, während Newmont rund 38,5 % der Anteile besitzt. Zu den wichtigsten Fördergebieten gehören die Distrikte Carlin, Cortez, Turquoise Ridge und Phoenix, die über eine hochentwickelte Infrastruktur miteinander verbunden sind. Diese Integration erlaubt eine optimierte Verarbeitung verschiedener Erztypen und senkt gleichzeitig die Betriebskosten durch gemeinsame Anlagen. Ein Beispiel für die kontinuierliche Expansion ist das untertägige Goldrush-Projekt im Cortez-Distrikt, das langfristig mehrere hunderttausend Unzen Gold pro Jahr produzieren soll.
Damit zeigt sich ein bemerkenswerter historischer Bogen: Was im 19. Jahrhundert mit einfachen Goldpfannen und kleinen Claims begann, hat sich zu einem hochindustrialisierten Rohstoffsektor entwickelt. Die Region, die einst von Glücksrittern geprägt war, wird heute von globalen Bergbaukonzernen mit Milliardenbudgets betrieben. Nevada bleibt damit eines der bedeutendsten Goldzentren der Welt und die historischen Entdeckungen bilden weiterhin das geologische Fundament der modernen Produktion.
Rush Gold und Fairchild Gold – Erst am Anfang aber hochinteressant
Der kanadische Edelmetallexplorer Rush Gold Corp. (A3EGYW | CA78184E1034) positioniert sich im produktiven Walker-Lane-Trend als datengetriebener Frühphasen-Explorer mit Fokus auf Gold- und Silberentdeckungen. Mit den Projekten Skylight und Legal Tender kontrolliert das Unternehmen zwei räumlich nahe Liegenschaften, die gemeinsam ein zusammenhängendes Lizenzgebiet mit deutlichem Skalierungspotenzial bilden. Der Walker Lane Trend ist einer der produktivsten metallogenen Zonen Nordamerikas für epithermale Gold- und Silberlagerstätten. Jüngste Gesteinsproben unterstreichen das Potenzial der Liegenschaften: Auf Legal Tender wurden Silbergehalte von bis zu 2.770 g/t gemessen, während auf Skylight Goldwerte von bis zu 2,41 g/t bestätigt wurden.
Besonders das Hyland-Zielgebiet auf Legal Tender deutet mit seinem lateralkontinuierlichen Adernsystem auf ein hochgradiges Silber-Basismetall-System hin, das sich für eine oberflächennahe Bohrkampagne eignet.Gleichzeitig hat sich der mineralisierte Goldtrend auf Skylight inzwischen über rund 1,2 Kilometer erstreckt und liefert damit zusätzliche Ansatzpunkte für künftige Bohrprogramme. Rush Gold kombiniert klassische Feldarbeit wie Kartierungen und Probenahmen mit modernen Explorationsmethoden, darunter hyperspektrale Satellitendaten und strukturelle Analysen. Ziel dieses datenbasierten Ansatzes ist es, Alterationszonen und potenzielle mineralisierte Strukturen präziser zu identifizieren und Bohrziele effizient zu priorisieren. Parallel dazu hat das Unternehmen seine Kapitalmarktpräsenz erweitert und notiert neben der kanadischen Börse seit Februar auch am US-OTCQB-Markt, wodurch sich der Zugang zu internationalen Investoren deutlich verbessert. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 2,5 Mio. CAD verfügt Rush Gold über einen ausgeprägten Explorationshebel, sodass positive Bohrergebnisse das Potenzial für eine deutliche Neubewertung eröffnen könnten. Die aktuelle Konsolidierung auf 0,105 CAD bildet für risikobewusste Anleger nun eine technisch saubere Einstiegszone.
Auch Fairchild Gold Corp. (A3D1D5 | CA30371L1013) treibt seine Goldsuche in Nevada voran. Das Unternehmen hat sich in kurzer Zeit als einer der aktivsten Junior-Explorer in Nevada etabliert und profitiert vom steigenden Rohstoffinteresse in den USA in Bezug auf strategische Metalle. Mit den Projekten Golden Arrow, Nevada Titan und Carlin Queen deckt Fairchild zentrale Goldtrends ab und erreicht damit eine ungewöhnlich breite regionale Diversifikation von insgesamt mehr als 60 km Streichlänge.
Der jüngste Erwerb von Carlin Queen umfasst rund 1.500 Acres und stärkt die Position an einem der produktivsten Goldgürtel weltweit, der historisch Minen mit Produktionsraten von bis zu 250.000 Unzen Gold pro Jahr aufweist. Golden Arrow liefert zudem fortgeschrittene Projektparameter, bestehende Genehmigungen und ein definiertes Ressourcenmodell mit etwa 120.000 Unzen Goldäquivalent in den Kategorien Measured plus Indicated. Nevada Titan umfasst nun nach der kürzlich abgeschlossenen Expansion 25,3 km² Landfläche und adressiert neben Gold auch Kupfer, Antimon und Kobalt, wobei CSAMT-Surveys drei prioritäre magnetische Zielzonen identifiziert haben.
Insgesamt stehen rund 35 km² konsolidiertes Explorationsgebiet in Nevada zur Verfügung, das historisch nur oberflächlich getestet wurde. Parallel wurden aktualisierte NI 43-101-Berichte für Golden Arrow eingereicht, um die geplante PEA, Bulk-Sampling und zusätzliche metallurgische Tests vorzubereiten. Finanziell ist Fairchild durch jüngste Kapitalmaßnahmen in Höhe von 3,5 Mio. CAD und einer OTCQB-Notierung gut positioniert, um die Projekte kontinuierlich voranzutreiben. Bedeutende Investoren wie Patrick Orlando halten nun über 12 Mio. Aktien und 12 Mio. Warrants, was rund 13 % des Unternehmens auf verwässerter Basis entspricht und die institutionelle Glaubwürdigkeit stärkt. Mit den angekündigten Bohrprogrammen, die in den kommenden Monaten geplant sind, der erweiterten Claims-Struktur und einer erfolgreichen Exploration könnte die Marktbewertung von derzeit rund 15,4 Mio. CAD rasch zu einer Vervielfachung geführt werden.
Rheinmetall und Hensoldt – Im Fokus geopolitischer Verwerfungen
Von der Mine zum Kanonenrohr! Die jüngste Kooperation von Rheinmetall, Airbus und OHB zur Umsetzung eines gemeinsamen Satellitennetzwerks für die Bundeswehr markiert einen Paradigmenwechsel im europäischen Verteidigungssektor. Statt isolierter Einzelangebote setzen die Konzerne auf Synergien, was die Lieferfähigkeit und Effizienz bei milliardenschweren Projekten deutlich steigert. Rheinmetall (703000 | DE0007030009) übernimmt dabei die Vernetzung der Waffensysteme am Boden, zu Wasser und in der Luft, während Airbus und OHB ihre Luft- und Raumfahrtkompetenzen einbringen. Für Investoren signalisiert dies eine Reduktion der Importabhängigkeit und eine Möglichkeit, Margen in Europa zu realisieren, was sich langfristig positiv auf die Bewertung auswirken dürfte.
Die Hensoldt AG (HAG000 |DE000HAG0005) hingegen zeigt seit einem Jahr noch keine signifikante Kursbewegung, nachdem die Aktie bis 2025 stark zugelegt hatte. Trotz eines Umsatzanstiegs von 1,71 auf 2,46 Mrd. EUR seit Beginn des Ukraine-Kriegs bleibt das Gewinnwachstum moderat, sodass das KGV 2025 mit rund 100 historisch hoch ausfällt und auch in 2026e nur auf knapp unter 50 fällt. Analysten sehen hier eine Überbewertung, die sich nur dann rechtfertigen lässt, wenn die operative Skalierung die prognostizierten Auftragsfluten abfedern kann. Das Management plant für 2026 einen Umsatz von 2,75 Mrd. EUR und einen bereinigten Cashflow-Anteil von 40 % am EBITDA, was das Potenzial für fundamentale Anpassungen aufzeigt.
Rheinmetall verzeichnet trotz operativer Rekorde und eines Auftragsbestands von 63,8 Mrd. EUR kurzfristige Kursabschläge. Grund dafür sind typische Wachstumsschmerzen durch hohe Investitionen, die den Markt verunsichern, obwohl die langfristige Strategie auf Digitalisierung, Vernetzung und Ausbau des Marine-Segments ausgerichtet ist. Die Aktie bleibt dennoch im historischen Vergleich attraktiv, in Kurskorrekturen sollten daher auch immer Aufstockungen in Erwägung gezogen werden. In den letzten 10 Tagen gelang dies bei 1.475 EUR gegenüber einem erholten Kurs von 1.630 EUR heute. Zusammengenommen zeigen Hensoldt und Rheinmetall, wie stark geopolitische Verwerfungen die Bewertung von Rüstungswerten beeinflussen können. Für risikobewusste Investoren eröffnen sich hier Chancen aber auch Risiken, denn wegen der hohen Volatilität sollte man nicht jedem Anriss hinterherlaufen und insbesondere die meist erfolglosen „Friedensgespräche“ für Nachkäufe nutzen.
FAZIT
Die große Gold- und Silber-Rally hat den gesamten Minen- und Bergbausektor in 2025 stark nach oben entwickeln können. Nun gibt es erste Gewinnmitnahmen, die für manche Investoren eine zweite Chance bieten, den gesamten Superzyklus auch mitreiten zu können. Interessant sind in diesem Umfeld auch die kleinen agilen Unternehmen wie z.B. Fairchild Gold und Rush Gold, die ihrerseits gute Projekte weiterentwickeln können. Wegen einer makroökonomisch vergleichbaren Positionierung eignen sich auch Defense-Werte als Depotbeimischung. Durch die Anwendung dieser heterogenen Ansätze, profitieren Anleger von einer ausgewogenen Positionierung im nächsten Aufwertungs-Zyklus. Eine breite Streuung über verschiedene Metallarten, Jurisdiktionen und Sektoren trägt letztlich dazu bei, Ertragschancen zu verbessern und das Anlagerisiko effektiv zu senken.








