Die Planethic Group (ISIN: DE000A3E5ED2) hat in den vergangenen Tagen wieder stärker Aufmerksamkeit am Kapitalmarkt auf sich gezogen. Auslöser war zunächst eine Meldung vom 9. März, in der das Unternehmen den Abschluss einer Finanzierung für die geplante Mililk-Produktionsanlage in den USA bekannt gab. Heute folgte ein ausführlicher Investoren-Call, der zusätzliche Einblicke in Strategie, Technologie und wirtschaftliche Dimension des Projekts liefern sollte.
Der Markt reagierte darauf bemerkenswert positiv. Die Aktie der Planethic Group legte im Tagesverlauf zeitweise um rund 26 Prozent zu und notierte selbst zum Redaktionsschluss noch deutlich im Plus. Das deutet darauf hin, dass Investoren die neuen Informationen als wichtigen Fortschritt für das Unternehmen interpretieren.
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Planethic und der nächste Schritt mit Milik
Im Zentrum der aktuellen Entwicklung steht die Finanzierung einer Produktionsanlage für die Technologieplattform Milik. Dabei handelt es sich um ein Verfahren, mit dem flüssige Lebensmittel in dünne, haltbare Blattformate umgewandelt werden können. Diese lassen sich später wieder mit Wasser zu Getränken oder anderen Produkten rekonstruieren. Die Technologie soll unter anderem bei pflanzlichen Milchalternativen eingesetzt werden.
Für den Aufbau der ersten Anlage in den USA hat eine neu gegründete Tochtergesellschaft eine Finanzierung über ein sogenanntes SAFE-Agreement abgeschlossen. Dabei handelt es sich um ein Finanzierungsinstrument, das im Venture-Capital-Umfeld verbreitet ist und Investoren eine spätere Beteiligung an Eigenkapital ermöglicht. Die Mittel sollen sowohl den Aufbau der Produktionsanlage als auch die Anlaufphase finanzieren.
Die Anlage soll eine Kapazität von bis zu 100 Millionen Litern pro Jahr erreichen. Gleichzeitig wurde bereits ein Abnahmevertrag mit einem nordamerikanischen Getränkehersteller abgeschlossen, der in den ersten zwei Jahren mindestens 60 Millionen Liter beziehen will. Damit ist ein wesentlicher Teil der geplanten Produktion bereits vorab abgesichert.
Ein Geschäftsmodell mit skalierbaren Strukturen
Im Investoren-Call wurde deutlich, dass das Management Milik nicht als einzelnes Produkt, sondern als Plattform versteht. Die Technologie soll grundsätzlich für verschiedene Kategorien von Lebensmitteln nutzbar sein. Neben pflanzlicher Milch werden beispielsweise auch Anwendungen bei Suppen, Saucen oder Proteinprodukten diskutiert.
Aus wirtschaftlicher Sicht liegt der Fokus auf einem vergleichsweise schlanken Produktionsmodell. Eine Anlage kann nach Angaben des Managements mit relativ geringer Fläche und überschaubarem Investitionsvolumen betrieben werden. Gleichzeitig wird mit hohen Margen gerechnet, weil der Produktionsprozess stark automatisiert ist und deshalb vergleichsweise geringe Personalkosten verursacht.
Die Strategie sieht vor, neue Produktionsstandorte erst dann aufzubauen, wenn zuvor verbindliche Abnahmevereinbarungen mit Kunden bestehen. Dadurch soll das Risiko von Überkapazitäten reduziert werden. Parallel arbeitet das Unternehmen bereits an weiteren möglichen Standorten, darunter eine zusätzliche Anlage in Europa sowie potenzielle Projekte in anderen Regionen.
Strategische Neuausrichtung der Planethic Group
Die aktuellen Entwicklungen sind Teil einer größeren strategischen Neuausrichtung. Planethic entwickelt sich zunehmend von einem klassischen Anbieter pflanzenbasierter Lebensmittel hin zu einer Technologie-Holding im Food-Tech-Bereich. In diesem Modell konzentriert sich das Unternehmen stärker auf Technologieentwicklung und Produktionslösungen, während Vertrieb und Vermarktung stärker über Partner erfolgen sollen.
Gleichzeitig trennt sich die Gruppe schrittweise von Geschäftsbereichen, die nicht in diese strategische Ausrichtung passen. Ziel ist es, Ressourcen stärker auf skalierbare Technologien zu konzentrieren. Der Fokus liegt damit klar auf Plattformmodellen wie Milik, die bei erfolgreicher Umsetzung eine deutlich größere internationale Reichweite ermöglichen könnten.
Der Investoren-Call hat damit nicht nur zusätzliche Details zur Finanzierung geliefert, sondern auch ein klareres Bild der langfristigen Strategie vermittelt. Dass der Markt darauf kurzfristig mit deutlichen Kursgewinnen reagierte, zeigt zumindest eines: Die Geschichte hinter Milik wird an der Börse inzwischen wieder deutlich aufmerksamer verfolgt.
5 Erkenntnisse aus dem Call für Investoren:
1. Milik wird zum zentralen Wachstumstreiber
Die Milik-Technologie ist inzwischen das wichtigste Projekt der Planethic-Strategie. Der aktuelle Ausbau in den USA ist der erste große Schritt zur Internationalisierung. Die geplante Produktionsanlage in Chicago soll eine Kapazität von rund 100 Millionen Litern pro Jahr erreichen. Bei einer Preisstruktur von etwa 1 Dollar pro Liter entspricht das einem potenziellen Umsatz von rund 100 Mio. Dollar pro Anlage und Jahr.
2. Skalierbares Fabrikmodell mit überschaubarem Kapitaleinsatz
Ein zentraler Punkt des Geschäftsmodells ist die relativ schlanke Produktionsstruktur. Eine Standardanlage benötigt laut Management nur etwa 1.000 Quadratmeter Fläche und vergleichsweise geringe Investitionen. Die Finanzierung der ersten Anlage wurde mit rund 3 Mio. Dollar Eigenkapital und weiteren 3 Mio. Dollar Working Capital dargestellt. Damit sollen sowohl Aufbau als auch Anlaufphase abgedeckt werden.
3. Nachfrage bereits teilweise abgesichert
Ein wichtiger Faktor für das Risiko-Rendite-Profil ist die bereits vorhandene Nachfrage. Für die erste Anlage liegt ein Abnahmevertrag über mindestens 60 Millionen Liter in den ersten zwei Jahren vor. Damit wäre ein großer Teil der Produktionskapazität bereits vor Inbetriebnahme vertraglich gebunden.
4. Hohe Margen sind der wirtschaftliche Hebel
Nach Darstellung des Managements ermöglicht die automatisierte Produktion eine Rohmarge von etwa 45 %. Bei voller Auslastung einer Anlage mit rund 100 Millionen Litern jährlicher Produktion könnte daraus eine operative Ergebnisgröße in der Größenordnung von 35 bis 40 Mio. Dollar pro Jahr entstehen.
5. Ausbau mehrerer Produktionsstandorte geplant
Die erste Fabrik in Chicago ist nur der Anfang. In den kommenden zwei Jahren plant das Unternehmen mindestens drei bis vier weitere Produktionsanlagen. Parallel wird bereits an einem zusätzlichen Standort in Europa gearbeitet. Damit könnte langfristig eine Produktionsstruktur entstehen, die mehrere hundert Millionen Liter pro Jahr abdeckt.









