Ein Zahlenwerk kann viel über die Reife eines Unternehmens verraten, und bei Formycon (ISIN: DE000A1EWVY8) fällt der Blick auf das erste Halbjahr 2026 deutlich freundlicher aus als vor Jahresfrist. Der Umsatz stieg von 9,0 auf 25,8 Millionen Euro, also fast auf das Dreifache. Damit zeigt sich, dass die Entwicklungsarbeit der vergangenen Jahre langsam in echte Erlöse übergeht. Getragen wurde dieser Sprung vor allem von Meilensteinzahlungen aus Partnerschaften, von steigenden Lizenzerlösen und von Umsätzen aus Entwicklungsleistungen. Für ein Unternehmen, das lange von der reinen Forschung geprägt war, ist das ein wichtiger Wendepunkt. Denn nun kommt es darauf an, aus vielversprechenden Kandidaten dauerhaft tragfähige Geschäftsmodelle zu formen.
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Formycon setzt auf Nachahmer-Präparate mit großem Marktpotenzial
Formycon entwickelt sogenannte Biosimilars. Das sind Nachfolgeprodukte biologischer Medikamente, deren Patentschutz ausgelaufen ist. Weil solche Präparate schwer nachzubauen sind, gelten die dahinterstehenden Verfahren als anspruchsvoll und wertvoll. Der Markt dafür wächst rasant, denn viele umsatzstarke Original-Medikamente verlieren in den kommenden Jahren ihren Schutz.
Genau hier liegt die Chance des Unternehmens. Mit drei bereits vermarkteten Biosimilars und mehreren weiteren Kandidaten in der Pipeline ist Formycon breit aufgestellt. Vor allem der Kandidat FYB206, ein Nachbau des sehr erfolgreichen Krebsmittels Keytruda, gilt als Hoffnungsträger. Die klinische Entwicklung wurde nach dem Berichtszeitraum abgeschlossen, sodass nun die Zulassungsanträge im Mittelpunkt stehen.
Wichtige Weichen für die nächste Wachstumsphase
Neben den Zahlen sind es vor allem die operativen Fortschritte, die aufhorchen lassen. Der europäische Marktstart des Augenmittel-Biosimilars FYB203 erweitert das kommerzielle Portfolio auf drei eigene Produkte. Zudem stärkten neue Lizenzverträge in Asien und Lateinamerika die internationale Reichweite. So folgt das Unternehmen konsequent seiner Wachstumsstrategie, die auf mehr Regionen, ein cleveres Produktportfolio und schlanke Kosten setzt.
Auch beim Ergebnis geht es voran, wenngleich unter dem Strich noch rote Zahlen stehen. Das operative EBITDA verbesserte sich deutlich von minus 17,9 auf minus 3,4 Millionen Euro. Gestiegene Umsätze und gesunkene Forschungskosten trugen dazu bei. CFO Enno Spillner bestätigte die im April veröffentlichte Prognose, wonach der Umsatz für das Gesamtjahr zwischen 60 und 70 Millionen Euro liegen soll.
Kritisch anzumerken bleibt, dass das Working Capital mit 51,2 Millionen Euro noch spürbar über dem Zielkorridor liegt. Hier muss das Unternehmen im weiteren Jahresverlauf liefern. Insgesamt aber zeigt Formycon, wie aus jahrelanger Vorarbeit ein tragfähiges Geschäft entstehen kann. Für interessierte Anleger bleibt spannend, ob die erwarteten Meilensteinzahlungen bei FYB206 den eingeschlagenen Weg bestätigen.








