Die Nemetschek SE (ISIN: DE0006452907) hat ihren Ausblick für das laufende Jahr angepasst. Der Anbieter von Software für die Bau- und Immobilienwirtschaft reagiert damit auf die Übernahme des US-Unternehmens HCSS. Der Schritt erfolgte am 28. Juli, einen Tag vor der Veröffentlichung des Halbjahresberichts. Auf den ersten Blick liest sich die Botschaft zweigeteilt. Denn das operative Geschäft läuft unverändert stark, während die Übernahme die Gewinnmarge zunächst leicht belastet. Genau diese Mischung verlangt nach Einordnung. Wer nur die sinkende Marge sieht, übersieht nämlich die eigentliche Wachstumsgeschichte. Der Konzern selbst spricht davon, dass der volle Nutzen des Zukaufs erst später sichtbar wird. Kurzfristige Sondereffekte verdecken somit das langfristige Bild.
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Was der HCSS-Kauf für Nemetschek bedeutet
Für das operative Geschäft, also ohne den Zukauf, bestätigt der Vorstand die bisherigen Ziele. Er erwartet weiterhin ein organisches Umsatzwachstum von 14 bis 15 Prozent. Die EBITDA-Marge soll zwischen 32 und 33 Prozent liegen. Ohne die einmaligen Kosten der Übernahme hätte diese Marge sogar am oberen Rand gelegen. Das zeigt, wie robust das Kerngeschäft läuft.
Durch HCSS kommt nun zusätzliches Wachstum hinzu. Das US-Unternehmen wird seit dem 1. Juli erstmals mit einbezogen. Der Vorstand rechnet dadurch mit rund 600 Basispunkten mehr Umsatzwachstum im Konzern. Gleichzeitig verwässert der Kauf die Marge um etwa 150 Basispunkte. Das klingt technisch, hat aber eine nachvollziehbare Ursache.
Kaufpreisallokation als Erklärung für die Delle
Hinter der Verwässerung steckt vor allem die sogenannte Kaufpreisallokation. Bei einer Übernahme müssen erworbene Werte neu bewertet und über die Bücher verteilt werden. Dieser Vorgang senkt vorübergehend den ausgewiesenen Umsatz und Gewinn. Nach vorläufigen Schätzungen mindert dieser Effekt den HCSS-Umsatz im zweiten Halbjahr um einen mittleren bis hohen zweistelligen Millionenbetrag. Hinzu kommen laufende Integrationskosten sowie ein neues aktienbasiertes Vergütungsprogramm.
Wichtig ist der zeitliche Rahmen. Der Großteil dieser Effekte fällt in die ersten sechs Monate nach dem Abschluss. Danach ebbt die Belastung ab. Deshalb spiegelt der aktuelle Beitrag von HCSS noch nicht das volle Potenzial wider. Für Anleger heißt das: Die Delle bei der Marge ist buchhalterisch bedingt und kein Zeichen operativer Schwäche. Mehr Klarheit bringt der Halbjahresbericht samt Analystenkonferenz. Danach lässt sich besser einschätzen, wie sich der Zukauf mittelfristig auszahlt.









