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Analyse: Shelly Group SE – Smarte Geräte, smarte Strategie

August 25, 2025
in Analysen, News
Analyse: Shelly Group SE – Smarte Geräte, smarte Strategie

Zusammenfassung

  • Umsatzwachstum im 1. Halbjahr 2025 bei +29 %, Guidance für H2 mit +40–50 % bestätigt
  • EBIT-Marge bereinigt um Währungseffekte bei 25,4 %, Free Cashflow kräftig verbessert
  • Plattform „Shelly Cloud“ mit >17.000 täglichen Aktivierungen, Premium-App wächst +145 %
  • Breite Produktpipeline: neue Generation-4-Geräte, Kameras, Smart Locks, Kooperation mit EcoFlow
  • Aktie im klaren Aufwärtstrend, Bewertung ambitioniert mit KGV 33,5 und EV/EBITDA 25,7x

Unternehmensprofil und Marktstellung

Die Shelly Group SE (BG1100003166) mit Sitz in Sofia ist einer der spannendsten Small Caps im europäischen Technologiebereich. Das Unternehmen hat sich auf IoT- und Smart-Home-Lösungen spezialisiert, die unter dem Markennamen *Shelly* international vertrieben werden. Typische Produkte sind smarte Steckdosen, Schalter, Energiemanager und Sensoren. Hinzu kommt eine kleinere Produktlinie für Trackinggeräte (*MyKi*), die jedoch kaum ins Gewicht fällt.

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Während Shelly zunächst im DIY-Segment Fuß fasste, gewinnt das Unternehmen zunehmend an Bedeutung im professionellen Bereich. Hier sorgt ein rasant wachsendes Netzwerk an Installateuren dafür, dass Shelly-Produkte direkt in Neubauten und Modernisierungen integriert werden. Ende 2024 waren es rund 900 Fachpartner, Mitte 2025 bereits über 2.400 – Tendenz weiter steigend.

Geografisch liegt der Fokus weiterhin klar auf Europa, allen voran dem DACH-Raum. Dieser Marktanteil sinkt zwar leicht unter 50 %, was jedoch bewusst geschieht, da das Management Italien, Skandinavien, Benelux und zuletzt auch Polen mit eigenen Teams stärker entwickeln möchte. Auch Asien und Australien liefern hohe Wachstumsraten, während die USA bislang nur opportunistisch bearbeitet werden.

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Geschäftsmodell und Erlösquellen

Das Geschäftsmodell ist dreigeteilt:

  • Hardware-Verkauf: Noch immer der wichtigste Umsatzbringer. Millionen verkaufte Geräte pro Jahr, Großhandelspreis meist bei 10–13 Euro, Endkundenpreis darüber.
  • Plattformgeschäft (Shelly Cloud): Mehr als 17.000 tägliche Aktivierungen neuer Geräte. Wachsende Zahl an Premium-Abonnenten, die für Zusatzfunktionen bezahlen.
  • Vertikale Kooperationen: Kooperationen mit Energieversorgern, Versicherungen oder Solar-Spezialisten. Jüngst schloss Shelly einen Co-Branding-Deal mit EcoFlow, das Geräte in seine Solarsysteme integriert.

Diese Aufstellung zeigt, dass sich Shelly zunehmend von einem Hardware-Hersteller hin zu einem plattformbasierten Anbieter mit wiederkehrenden Umsätzen entwickelt. Das Premium-App-Modell soll hier die Tür zu stabileren Erlösströmen öffnen.

Halbjahreszahlen 2025 – Starke Basis

Im ersten Halbjahr 2025 steigerte Shelly den Umsatz um knapp 30 Prozent. Damit erfüllte man die eigene Guidance nahezu punktgenau. Auf EBIT-Ebene lag die ausgewiesene Marge leicht unter Plan, bereinigt um negative Währungseffekte von 1,6 Millionen Euro hätte sie sogar 25,4 Prozent erreicht. Das Management geht davon aus, dass sich dieser Sondereffekt im zweiten Halbjahr nicht wiederholt.

Besonders bemerkenswert ist der deutliche Sprung beim Free Cashflow. Dieser verbesserte sich im Jahresvergleich um 6,2 Millionen Euro. Ursache waren Verbesserungen im Working Capital sowie eine insgesamt effizientere Steuerung des Geschäfts. Die Eigenkapitalquote liegt bei beachtlichen 81 Prozent – eine Zahl, die im europäischen Nebenwertesektor nur selten zu finden ist.

Auch der regionale Split ist aufschlussreich. Während DACH mit einem Plus von rund 20 Prozent solide wuchs, legte Südeuropa um mehr als 30 Prozent zu. Herausragend war das Wachstum in Asien und Australien mit 84 Prozent. Zwar stammen die Umsätze dort noch von einem kleinen Sockel, dennoch zeigt es das internationale Potenzial.

Produktpipeline und Innovation

Ein Erfolgsfaktor von Shelly ist die hohe Schlagzahl bei Produkteinführungen. Bereits im ersten Halbjahr wurden über 30 neue Geräte vorgestellt, darunter die neue vierte Generation, die nun standardmäßig mit WiFi, Zigbee und Bluetooth ausgestattet ist. Hinzu kommen Erweiterungen mit LoRa und 4G, was die Geräte in nahezu allen Ökosystemen kompatibel macht.

Wichtige Neuvorstellungen sind etwa:

  • eine smarte Steckdosenleiste,
  • ein innovativer Präsenzsensor,
  • das „XL Display“ als zentrales Steuergerät.

Für das zweite Halbjahr stehen weitere Produkte in der Pipeline, darunter Sicherheitskameras, neue Smart Locks und eine Pro-Serie, die erstmals VDE-zertifiziert werden soll. Ergänzt wird dies durch die Kooperation mit EcoFlow, das Shelly-Geräte in seine Solar- und Energiesysteme integriert.

Wettbewerb und Risiken

Der Smart-Home-Markt ist hart umkämpft. Neben internationalen Schwergewichten wie Amazon, Google und Apple gibt es auch spezialisierte Anbieter wie Sonos oder secunet. Shelly gelingt es jedoch, sich durch drei Faktoren abzusetzen:

  • 1. Preis-Leistungs-Verhältnis: Deutlich günstiger als US-Produkte.
  • 2. Offene Plattformstrategie: Unterstützung vieler Standards, hohe Integrationsfähigkeit.
  • 3. Agilität: Bereits 30 Quartale in Folge Umsatzwachstum – ein außergewöhnlicher Track Record.

Gleichzeitig bestehen klare Risiken. So kommt es regelmäßig zu Verzögerungen bei Zertifizierungen, was die Markteinführung neuer Produkte hemmt. Auch der Streit mit Amazon um Preisnachlässe zeigt, wie abhängig Shelly teilweise von Vertriebskanälen ist. Und schließlich können Lieferengpässe bei Chips das Geschäft spürbar beeinträchtigen – wie jüngst bei einem Energiemessgerät, dessen fehlende Komponenten ein Umsatzpotenzial von rund fünf Millionen Euro kosteten.

Bewertung und Ausblick

Anleger sollten sich bewusst sein, dass die Aktie ambitioniert bewertet ist. Auf Basis der Konsensschätzungen für 2025 beläuft sich das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf 33,5, das EV/EBITDA auf 25,7. Damit liegt Shelly deutlich über den üblichen Multiples der Branche. Die starke Wachstumsstory rechtfertigt einen Teil dieser Prämie, doch Enttäuschungen bei Umsatz oder Marge könnten entsprechend hart abgestraft werden.

Positiv hervorzuheben ist die komfortable Bilanz. Shelly verfügt über Netto-Cash und ist somit nicht auf Fremdfinanzierungen angewiesen. Zudem läuft der Ausbau der Produktionskapazitäten beim chinesischen Partner, wodurch das Unternehmen bis Ende 2026 auf bis zu zwei Millionen Einheiten pro Monat skalieren kann – ohne selbst in neue Fabriken investieren zu müssen.

Unternehmensprognosen, Marktschätzungen (FactSet)

Für das Gesamtjahr 2025 rechnet das Management mit einem Umsatzwachstum von rund 46 Prozent im zweiten Halbjahr. Unterstützung sollen die Einführung neuer Produkte, saisonale Effekte im Weihnachtsgeschäft und eine zunehmende Monetarisierung der Premium-App bringen.

Charttechnik

Die Aktie von Shelly zeigt sich seit dem Frühjahr in einem klaren Aufwärtstrend. Vom Tief bei rund 36 Euro im April kletterte der Kurs bis zuletzt auf 57 Euro und markierte damit ein neues Jahreshoch. Unterstützt wird der Trend durch die gleitenden Durchschnitte: Sowohl die 50- als auch die 100- und 200-Tage-Linie verlaufen unterhalb des aktuellen Kurses und zeigen nach oben. Das unterstreicht die technische Stärke.

Bei den Widerständen ist festzuhalten, dass die Marke von 60 Euro bislang noch nicht getestet wurde und daher keinen klassischen Widerstand darstellt. Vielmehr handelt es sich hier um eine psychologisch wichtige Rundmarke, die als nächstes Kursziel gilt. Ein nachhaltiger Ausbruch über das jüngste Hoch bei 57 Euro könnte den Weg in Richtung 62 bis 65 Euro öffnen.

Die Unterstützungen sind klarer definiert. Erste Rückendeckung bietet die Zone um 52 Euro, wo der Kurs Mitte August eine Konsolidierung ausgebildet hat. Eine weitere wichtige Unterstützung verläuft bei 50 Euro, im Bereich der 50-Tage-Linie. Ein Rücksetzer bis dorthin wäre im Rahmen einer normalen Korrektur zu sehen und würde den übergeordneten Aufwärtstrend nicht gefährden.

Die Indikatoren bestätigen dieses Bild. Der MACD generierte Ende Juli ein frisches Kaufsignal und bewegt sich seither stabil im positiven Terrain, was den Aufwärtstrend untermauert. Der RSI liegt aktuell bei knapp 70 Punkten und damit an der Schwelle zum überkauften Bereich. Kurzfristig könnte dies eine Verschnaufpause erzwingen, ändert aber nichts am positiven Gesamtbild.

Insgesamt präsentiert sich die Aktie damit charttechnisch klar bullish. Anleger sollten zwar kurzfristige Rückschläge einkalkulieren, mittel- bis langfristig deutet das Setup jedoch auf weiter steigende Kurse hin.

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Anlagefazit

Shelly ist einer der dynamischsten europäischen IoT-Werte. Das Unternehmen überzeugt durch hohes Wachstum, eine solide Bilanz und eine starke Innovationspipeline. Gleichzeitig ist die Bewertung ambitioniert, was eine erhöhte Volatilität zur Folge haben dürfte. Für langfristig orientierte Investoren bleibt Shelly dennoch ein attraktives Investment. Das Kursziel auf Zwölf-Monats-Sicht liegt bei 70 Euro, womit sich weiterhin attraktives Potenzial oberhalb des aktuellen Kurses von 56 Euro ergibt.

Schlagwörter: BG1100003166FNShelly
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