Der gestrige Handelstag (Donnerstag, 15. Oktober) hat die deutschen Nebenwerte in zwei Lager geteilt. Ein weltweiter Ausverkauf bei Chipaktien, angefacht durch überraschend hohe US-Inflationsdaten und Zweifel an der Finanzierung des KI-Ausbaus, traf vor allem die Technologiewerte. Der TecDAX gab rund 0,7 Prozent nach, der SDAX verlor 1,1 Prozent auf 17.981 Punkte. Der MDAX schloss dagegen 0,55 Prozent höher bei 30.216 Punkten, gestützt unter anderem von flatexDEGIRO nach der Ankündigung eines Aktienrückkaufs über bis zu 100 Millionen Euro. Der DAX legte um 0,3 Prozent auf 25.383 Punkte zu. Schwer erwischte es die Vorzugsaktie von Drägerwerk, die nach einem schwächer als erwarteten Quartalsgewinn gut 17 Prozent einbüßte.
Nordex hebt die Margenprognose deutlich an
Der Windturbinenbauer Nordex (ISIN: DE000A0D6554) hatte nach Börsenschluss vorläufige Zahlen für das dritte Quartal vorgelegt. Der Umsatz stieg um rund 28 Prozent auf knapp 2,19 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) hat sich auf rund 278 Millionen Euro mehr als verdoppelt, die Marge kletterte von 8,0 auf 12,7 Prozent.
Für das Gesamtjahr peilt Nordex nun eine EBITDA-Marge von 11,5 bis 12,5 Prozent an, nach zuvor 8 bis 11 Prozent. Die Umsatzspanne von 8,2 bis 9,0 Milliarden Euro bleibt unverändert. Als Treiber nennt das Unternehmen bessere Margen im Service und ein starkes Projektgeschäft. Bemerkenswert ist das Tempo: Erst im Februar hatte Nordex sein mittelfristiges Margenziel auf 10 bis 12 Prozent angehoben, und schon die neue Jahresprognose reicht an das obere Ende dieses Korridors heran. Auf Tradegate legte die Aktie in einer ersten Reaktion rund 4 Prozent zu.
Aixtron sammelt kräftig Aufträge ein
Bei Aixtron (ISIN: DE000A0WMPJ6) traf eine gute Nachricht auf einen schlechten Börsentag. Im Sog der Chipwerte hatte die Aktie im Xetra-Handel fast 13 Prozent verloren, ehe der Anlagenbauer für die Halbleiterindustrie um 18 Uhr vorläufige Quartalszahlen meldete. Der Auftragseingang hat sich auf rund 275 Millionen Euro mehr als verdoppelt und lag klar über der Analystenschätzung von knapp 215 Millionen Euro. Bei einem Umsatz von rund 184 Millionen Euro erreichte die operative Marge etwa 31 Prozent nach 13 Prozent im Vorjahr.
Als Grund nennt Aixtron die Nachfrage nach Anlagen für Laser, die in KI-Rechenzentren gebraucht werden, sowie einen günstigen Produktmix. Die Jahresprognose bleibt bestätigt, nachbörslich holte die Aktie rund 8 Prozent auf. Ob der Auftragsschub die Sorgen um den KI-Investitionszyklus dauerhaft überlagert, dürfte der vollständige Bericht am 29. Oktober klarer zeigen.
Merkur Privatbank spürt den schwachen Immobilienmarkt
Weniger erfreulich fiel der Neunmonatsbericht der Merkur Privatbank (ISIN: DE0008148206) vom 16. Oktober aus. Das Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit schrumpfte auf 7,5 Millionen Euro nach 22,7 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Hauptgrund ist eine fast verdoppelte Risikovorsorge von 40,7 Millionen Euro, die die Bank mit der Neubewertung einzelner Immobilienkredite begründet.
Lichtblicke gibt es in der Vermögensverwaltung. Der Provisionsüberschuss stieg um 9 Prozent, und die verwalteten Kundengelder wuchsen auf rund 5,6 Milliarden Euro. Allerdings stellt die Bank für das Schlussquartal weitere Vorsorge in Aussicht, falls Neubewertungen dies erfordern. Anleger dürften daher genau verfolgen, wie tief die Spuren im Kreditbuch noch reichen.
Steyr Motors liefert Strom für Militärdrohnen
Der Motorenhersteller Steyr Motors (ISIN: AT0000A3FW25) kooperiert mit dem Drohnenspezialisten Avilus. Steyr liefert einen Generator, der am Boden einen zweiten Akkusatz der unbemannten Transportdrohne Grille 9X lädt, während diese fliegt. Laut Unternehmen läuft die Technik bereits in Flugversuchen und Übungen der Bundeswehr.
Stückzahlen oder ein Auftragsvolumen nennt Steyr Motors nicht. Die Kooperation zeigt aber, dass die Generatoren auch jenseits klassischer Fahrzeugantriebe gefragt sind. Für spürbare Umsätze müsste die Drohne allerdings in größerer Zahl beschafft werden.







