Summary
- All for One bestätigte die Jahreszahlen 2024/25.
- Der Rückgang klassischer Lizenzumsätze wird zunehmend kompensiert.
- Strukturell bleibt das Geschäftsmodell intakt.
- Fokus auf wiederkehrende Umsätze erhöht Visibilität für die kommenden Jahre.
- Der Vorstand stellt ab 2026/27 eine schrittweise Margenverbesserung in Aussicht.
Unternehmensprofil und strategische Einordnung
All for One ist kein Wachstumswert im klassischen Sinn – zumindest nicht kurzfristig. Das Unternehmen befindet sich in einer Übergangsphase, die weniger von spektakulären Umsatzsprüngen geprägt ist, sondern von strukturellem Umbau. Genau darin liegt jedoch der Kern der aktuellen Investmentstory.
Als führender SAP-Partner in Mittel- und Osteuropa hat sich All for One in den vergangenen Jahren von einem stark lizenzgetriebenen Systemhaus zu einem international aufgestellten IT-, Consulting- und Serviceanbieter entwickelt. Der Fokus liegt klar auf der Transformation von SAP-ERP-Landschaften in die Cloud – insbesondere auf SAP S/4HANA im Rahmen von eigenen RISE- und GROW-Modellen.
Mit rund 4.000 Kunden, über 2.600 Mitarbeitern, 41 Standorten und einer starken Präsenz in der DACH-Region sowie Polen adressiert All for One gezielt den oberen Mittelstand. Diese Kundengruppe steht unter besonderem Transformationsdruck: Einerseits laufen klassische SAP-ECC-Systeme spätestens ab 2027 aus, andererseits fehlen intern häufig Ressourcen, um Cloud-Updates, Security-Anforderungen und neue KI-Funktionalitäten laufend zu bewerten und umzusetzen.
Genau hier setzt das Geschäftsmodell an – und genau hier zeigt sich, warum die aktuelle Phase zwar herausfordernd, aber nicht strukturell problematisch ist.
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Geschäftsmodell: Vom Projektgeschäft zur Service-Logik
Das zentrale Thema der Analyse ist die laufende Verschiebung der Erlösstruktur. All for One erzielt inzwischen mehr als die Hälfte der Umsätze aus wiederkehrenden Erlösen – insbesondere aus Cloud-Services, Wartung, Application Services und abonnementbasierten Leistungen. Im Geschäftsjahr 2024/25 lag der Anteil der wiederkehrenden Umsätze bei rund 53 Prozent.

Diese Entwicklung ist kein Zufall, sondern Ergebnis einer bewussten strategischen Entscheidung. Klassische Lizenzumsätze sind volatil, margenträchtig, aber kaum planbar. Cloud- und Serviceumsätze sind dagegen planbarer, langfristiger und stärken die Kundenbindung – allerdings mit einer zeitlichen Verzögerung beim Ergebnisbeitrag.
Der Vorstand spricht offen von einer „temporären Phase“, in der der Wechsel von On-Premise- zu Cloud-Modellen das Umsatzwachstum zunächst dämpft. Das ist plausibel: Einmalige Lizenzspitzen fallen weg, während wiederkehrende Erlöse erst über Zeit ihre volle Wirkung entfalten. Entscheidend ist, dass All for One diesen Übergang aktiv steuert – und nicht von ihm überrascht wird.
Besonders relevant ist dabei das sogenannte „Land-and-Expand“-Modell. Kunden starten mit der ERP-Transformation, bleiben aber langfristig für Services, Updates, Security-Themen, Innovationen und Prozessoptimierung an Bord. Das erhöht nicht nur die Kundenbindung, sondern verschiebt den Fokus von einmaligen Projekten hin zu dauerhaften Partnerschaften.
Jahreszahlen 2024/25: Stabilität trotz Gegenwind
Die bestätigten Jahreszahlen zeigen ein Bild, das auf den ersten Blick unspektakulär wirkt – auf den zweiten Blick jedoch viel über die Qualität des Geschäfts aussagt.
Der Umsatz lag mit 503,7 Mio. Euro rund zwei Prozent unter dem Vorjahr. Entscheidend ist jedoch die Zusammensetzung: Während klassische Software- und Lizenzumsätze deutlich rückläufig waren, wuchsen die Cloud-Services erneut um vier Prozent. Consulting blieb nahezu stabil.

Das operative Ergebnis vor M&A-Effekten (non-IFRS) ging spürbar zurück. Die EBIT-Marge sank auf 5,2 Prozent. Belastend wirkten dabei mehrere Faktoren: eine schwache Investitionsbereitschaft vieler Kunden, insbesondere im industriellen Umfeld, Verzögerungen bei Projektstarts sowie einmalige Effekte aus Restrukturierungsmaßnahmen und einer Wertberichtigung im Customer-Experience-Geschäft.

Wichtig ist die Einordnung durch das Management: Ohne die einmaligen Belastungen hätte sich die operative Marge deutlich näher an der Zielspanne bewegt. Zudem zeigt der Cashflow ein deutlich robusteres Bild als das Ergebnis.
Der operative Cashflow lag mit 39,7 Mio. Euro nur leicht unter dem Vorjahr, der Free Cashflow bei 20,3 Mio. Euro. Die Bilanz bleibt solide, die Eigenkapitalquote stieg auf 33 Prozent, die Nettoverschuldung wurde deutlich reduziert.
Zwei strukturelle Belastungsfaktoren – und warum sie temporär sind
Im zugehörigen Earnings Call benannte das Management sehr klar zwei Problemfelder, die aktuell auf Ergebnis und Wachstum drücken:
- die anhaltende Investitionszurückhaltung vieler Kunden in einem geopolitisch und konjunkturell unsicheren Umfeld
- die strategische Neuausrichtung von SAP im Customer-Experience-Bereich, die kurzfristig Umsatz und Marge im LOB-Segment belastet
Beide Faktoren sind real – aber nicht dauerhaft
Zum einen ist der Investitionsstau im SAP-Umfeld zeitlich begrenzt. Mit dem Auslaufen des ECC-Supports ab 2027 steigt der Handlungsdruck deutlich. Das Management betont, dass Projekte nicht verloren gehen, sondern verschoben werden. Die Pipeline bleibt intakt, die Entscheidungsprozesse dauern nur länger.
Zum anderen ist das CX-Thema bereits adressiert. Wertberichtigungen wurden vorgenommen, Ressourcen angepasst. Das belastet kurzfristig, schafft aber Klarheit für die kommenden Jahre.
Neues Serviceportfolio: Mehr Planbarkeit, höhere Bindung
Ein zentrales Element der strategischen Weiterentwicklung ist das neue Serviceportfolio, das All for One im Dezember 2025 vorgestellt hat. Es reagiert auf ein strukturelles Problem vieler Kunden: Cloud-Plattformen entwickeln sich schneller, als interne IT-Abteilungen mithalten können.
SAP und Microsoft liefern im Rhythmus von wenigen Monaten neue Funktionen, Sicherheitsupdates und KI-Features aus. All for One positioniert sich hier bewusst als „Trusted Advisor“, der nicht nur implementiert, sondern laufend begleitet.
Die neuen Service-Cluster reichen von Update-Management über Systemintegration bis hin zu proaktiven Innovationsservices. Für All for One bedeutet das:
- planbare, abonnementbasierte Umsätze
- höhere Margen durch Standardisierung und Wiederholbarkeit
- tiefere Integration in die Kernprozesse der Kunden
Diese Logik ist weniger wachstumsstark im ersten Schritt, aber deutlich robuster über den Zyklus hinweg.
Ausblick: Gedämpft, aber konsistent
Der Vorstand bestätigte die Prognose für das laufende Geschäftsjahr 2025/26. Erwartet wird ein Umsatz zwischen 500 und 530 Mio. Euro sowie eine EBIT-Marge vor M&A-Effekten von 5,5 bis 6,5 Prozent. Für 2026/27 stellt das Management eine weitere Margenverbesserung in Aussicht.
Auffällig ist die vorsichtige Tonalität. Das Management verzichtet bewusst auf ambitionierte Wachstumsversprechen und betont stattdessen Stabilität, Liquidität und strukturelle Qualität. Das passt zur aktuellen Phase – und erhöht die Glaubwürdigkeit der Aussagen.
Parallel baut All for One finanzielle Flexibilität für gezielte Akquisitionen auf. Mit zusätzlichen Schuldscheindarlehen wurden Mittel für M&A-Optionen bereitgestellt, ohne die Bilanz übermäßig zu belasten.
Einordnung: Kein Momentum-Wert, aber ein Struktur-Investment
All for One ist derzeit kein Titel für kurzfristige Fantasie. Wer schnelle Wachstumsimpulse sucht, wird hier nicht fündig. Wer jedoch auf strukturelle Digitalisierung, SAP-Transformation und planbare Serviceerlöse setzt, findet ein Unternehmen, das seine Hausaufgaben macht – auch in schwierigen Phasen.
Die Zahlen zeigen keinen Bruch im Geschäftsmodell, sondern einen Übergang. Die hohe Cash-Generierung, die stabile Dividendenpolitik und der wachsende Anteil wiederkehrender Erlöse sprechen für ein defensiveres Profil innerhalb des IT-Dienstleistungssektors.
Der eigentliche Hebel liegt ab 2026/27: Dann dürfte der Transformationsstau im SAP-Umfeld nachlassen, während die neue Service-Logik voll greift. Bis dahin bleibt die Aktie eher ein Wert für geduldige Investoren mit Fokus auf Qualität und Visibilität.








