Der Online-Reifenhändler Delticom (DE0005146807) meldet für das erste Halbjahr 2025 zwar ein solides Umsatzwachstum von 12 Prozent. Doch die Zahlen offenbaren auch strukturelle Probleme, die das Unternehmen aus Sehnde beschäftigen.
Mit 237 Millionen Euro Umsatz liegt der europäische Marktführer über dem Vorjahreswert von 212 Millionen Euro. Das Bruttowarenvolumen stieg ebenfalls auf 285 Millionen Euro. Soweit die guten Nachrichten.
Delticom kämpft mit sinkender Profitabilität
Die Schattenseiten zeigen sich beim operativen Ergebnis. Das EBITDA schrumpfte um ein Drittel auf 5,3 Millionen Euro. Besonders schmerzhaft: Währungsverluste von 1,5 Millionen Euro belasteten das Ergebnis erheblich. Im Vorjahr hatte der Währungseffekt noch neutral gewirkt.
Das Management musste die Bruttomarge von 26,4 auf 24,3 Prozent reduzieren. Der Grund ist nachvollziehbar: Um Marktanteile zu sichern, gab Delticom Kosteneinsparungen im Sommerreifengeschäft an die Kunden weiter. Eine riskante Strategie in einem ohnehin umkämpften Markt.
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Wintergeschäft entscheidet über Jahreserfolg
Für das Gesamtjahr hält Delticom an der Prognose von 470 bis 490 Millionen Euro Umsatz fest. Beim operativen EBITDA peilt das Unternehmen 19 bis 21 Millionen Euro an. Diese Ziele sind jedoch mit Unsicherheiten behaftet.
Das Winterreifengeschäft wird zur Schicksalsfrage. Hier drohen neue Probleme: Die EU-Kommission prüft Antidumpingmaßnahmen gegen chinesische Reifenimporte. Sollten Zölle eingeführt werden, könnte dies die Verfügbarkeit von Winterreifen beeinträchtigen und Delticoms Geschäft zusätzlich unter Druck setzen.
Marktumfeld bleibt herausfordernd
Der deutsche Ersatzreifenmarkt zeigt nur schwaches Wachstum von einem Prozent. Während Ganzjahresreifen um acht Prozent zulegten, gingen Sommer- und Winterreifen um vier Prozent zurück. Diese Verschiebung zeigt veränderte Kundengewohnheiten, die Delticom im Blick behalten muss.
Trotz der Herausforderungen bleibt das Unternehmen europäischer Marktführer mit 335 Onlineshops in 70 Ländern. Die starke Marktposition und das umfassende Partnernetzwerk von 25.000 Werkstätten sind wichtige Wettbewerbsvorteile. Diese Infrastruktur kann helfen, auch schwierige Phasen zu überstehen.
Strategie zwischen Wachstum und Profitabilität
Die Lage zeigt exemplarisch die Herausforderungen des Online-Handels. Wachstum ist möglich, aber oft nur zu Lasten der Margen. Delticom muss beweisen, dass das Unternehmen diese Balance langfristig meistern kann.
Das Management plant, in der zweiten Jahreshälfte die Profitabilität stärker zu fokussieren. Die Abverkäufe sollen entsprechend gesteuert werden. Ob diese Strategie aufgeht, wird sich im wichtigen Wintergeschäft zeigen. Anleger sollten die Entwicklung der Margen genau verfolgen.







