Die Börsenwoche vom 12. bis 16. Oktober hatte zwei Gesichter. Bis Donnerstag drückten eine überraschend hohe Inflation in den USA und neue Zweifel an der Finanzierung des KI-Booms auf die Stimmung, vor allem Chipwerte gerieten unter Druck. Am Freitag folgte eine kräftige Erholung, weil die Sorge vor einer weiteren Zinserhöhung der US-Notenbank nachließ. Unter dem Strich gewann der MDAX gut zwei Prozent auf 30.656,65 Punkte und hielt damit Schritt mit dem DAX, der rund zwei Prozent auf 25.622,61 Punkte zulegte. Der TecDAX verbesserte sich um knapp ein Prozent auf 4.015,21 Punkte, der SDAX kam mit einem halben Prozent auf 18.198,27 Punkte. Geprägt wurde der Nebenwertesektor von der beginnenden Berichtssaison. Prognoseänderungen und Quartalszahlen bewegten die Kurse teils zweistellig, und zwar in beide Richtungen.
Nordex hebt die Messlatte für die Marge
Nordex (ISIN: DE000A0D6554) lieferte die positivste Überraschung der Woche. Am Montag hatte der Windanlagenbauer für das dritte Quartal knapp 30 Prozent mehr Aufträge gemeldet. Am Donnerstagabend folgten vorläufige Zahlen, nach denen sich das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) auf etwa 278 Millionen Euro verdoppelte. Für 2026 peilt Nordex nun eine EBITDA-Marge von 11,5 bis 12,5 Prozent an, zuvor waren 8 bis 11 Prozent geplant. Das Unternehmen verweist auf ein besseres Servicegeschäft und Projektrisiken, die geringer ausfielen als angenommen. Die Aktie sprang am Freitag zeitweise um fast 15 Prozent.
PNE verschiebt Windparkverkäufe und senkt die Ziele
Wie unterschiedlich die Lage in derselben Branche sein kann, zeigte PNE (ISIN: DE000A0JBPG2). Der Projektentwickler senkte am Dienstagabend seine Prognose für das Konzern-EBITDA 2026 auf 60 bis 75 Millionen Euro, nachdem zuvor 90 bis 120 Millionen Euro geplant waren. Wegen eines schwierigen Umfelds verschieben sich Windparkverkäufe teils ins Jahr 2027, einige Parks bleiben zudem im eigenen Bestand. Die Aktie verlor am Mittwoch fast 20 Prozent und fiel auf den tiefsten Stand seit sechs Jahren. Verschobene Erträge sind zwar nicht verloren. Dennoch stellt sich die Frage, wie verlässlich die Planung bleibt, wenn das Ergebnis so stark vom Zeitpunkt einzelner Verkäufe abhängt.
Kion Group senkt die Prognose, die Aktie dreht trotzdem ins Plus
Auch die Kion Group (ISIN: DE000KGX8881) musste ihre Jahresziele zurücknehmen. Der Hersteller von Gabelstaplern und Lagertechnik erwartet für 2026 nur noch ein bereinigtes operatives Ergebnis (EBIT) von 815 bis 875 Millionen Euro statt bis zu 980 Millionen Euro. Die angestrebte zweistellige Marge rückt auf die Zeit nach 2027. Belastend wirken die schwache Konjunktur in Europa und chinesische Anbieter im unteren Preissegment. Nach anfänglichen Verlusten drehte die Aktie ins Plus. Nach einem Kursrückgang um fast die Hälfte seit Jahresbeginn war offenbar schon viel Enttäuschung eingepreist.
Drägerwerk enttäuscht trotz Sondereffekt
Die heftigste Reaktion erlebte Drägerwerk (ISIN: DE0005550636). Der Medizin- und Sicherheitstechnikkonzern meldete am Mittwochabend für das dritte Quartal zwar ein leichtes Umsatzplus. Das EBIT sank jedoch auf etwa 48 Millionen Euro nach 56,7 Millionen Euro im Vorjahr, obwohl darin 20,1 Millionen Euro aus Zollrückerstattungen stecken. Als Ursache nennt Dräger gestiegene Kosten. Trotz bestätigter Jahresprognose verlor die Vorzugsaktie am Donnerstag gut 17 Prozent, nachdem sie seit Juli stark gestiegen war. Die Frage nach der Kostendisziplin bleibt damit offen.
Aixtron setzt ein Signal gegen den Chip-Ausverkauf
Zinssorgen und Zweifel an schuldenfinanzierten KI-Rechenzentren lösten am Donnerstag einen breiten Ausverkauf aus, bei dem auch Aixtron (ISIN: DE000A0WMPJ6) deutlich nachgab. Am Abend legte der Anlagenbauer dann starke vorläufige Zahlen vor. Der Auftragseingang im dritten Quartal lag bei rund 275 Millionen Euro, mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr und klar über den Schätzungen. Die EBIT-Marge kletterte auf 31 Prozent. Die Jahresprognose bleibt unverändert, Vorstandschef Felix Grawert sieht vor allem bessere Aussichten für 2027. Die Aktie erholte sich am Freitag deutlich.
Flatexdegiro stemmt sich mit einem Rückkauf gegen die Kursschwäche
Flatexdegiro (ISIN: DE000FTG1111) will eigene Aktien für bis zu 100 Millionen Euro zurückkaufen, doppelt so viel wie beim letzten Programm. Die Finanzaufsicht muss noch zustimmen. Die Aktie stieg am Donnerstag um 5,5 Prozent und führte den MDAX an. Seit Jahresbeginn hatte sie rund 30 Prozent verloren, zu Wochenbeginn belastete eine Analystenabstufung wegen nachlassenden Kundenwachstums. Ob der Rückkauf diese Sorgen zerstreut, werden die Quartalszahlen zeigen.
All for One Group verabschiedet sich von der Börse
Bei All for One Group (ISIN: DE0005110001) geht die Übernahme in die letzte Runde. Eine Tochter des französischen Konzerns Vinci hält nach dem Übernahmeangebot rund 87 Prozent der Aktien und kündigte am Donnerstag ein Delisting-Angebot zum unveränderten Preis von 67,50 Euro je Aktie an. Vorstand und Aufsichtsrat wollen die Annahme empfehlen, der Rückzug von der Börse soll im Dezember abgeschlossen sein. Für die übrigen Aktionäre wird die Entscheidung damit drängender, denn danach entfällt der Handel im regulierten Markt
Was die kommende Woche bringt
Die Berichtssaison nimmt in der kommenden Woche Fahrt auf. Am Montag, 19. Oktober, stellt Norma Group ein Strategie-Update vor. Am Mittwoch, 21. Oktober, legen Flatexdegiro und Intershop Quartalszahlen vor. Am Donnerstag, 22. Oktober, folgen Vossloh und Sartorius, am Freitag, 23. Oktober, Atoss Software. Für die Stimmung im Gesamtmarkt zählen zudem die ZEW-Konjunkturerwartungen am Dienstag und die Zahlen von SAP am Mittwochabend. Am Freitag endet außerdem die Prüffrist der EU-Kommission für die Übernahme von Ceconomy durch JD.com.







