Wer die Zahlen von ElringKlinger AG (ISIN: DE0007856023) für 2025 auf den ersten Blick betrachtet, sieht einen Umsatzrückgang von rund neun Prozent auf 1,641 Milliarden Euro. Doch dieser erste Blick täuscht. Hinter dieser Zahl verbergen sich erhebliche Sondereffekte: negative Wechselkurseinflüsse von gut 40 Millionen Euro sowie der Wegfall von Umsätzen aus zwei Tochtergesellschaften in der Schweiz und den USA, die Ende 2024 verkauft worden waren.
Bereinigt man diese Faktoren, ergibt sich ein organisches Umsatzwachstum von 2,1 Prozent – leicht über der eigenen Zielsetzung. Das ist kein spektakuläres Ergebnis, aber es zeigt: Der Konzern hält seinen Kurs und liefert das, was er versprochen hat. In einer Phase tiefgreifender Transformation ist das nicht selbstverständlich.
Auf der Ergebnisseite verbesserte sich die bereinigte EBIT-Marge von 4,9 auf 5,4 Prozent – am oberen Rand des angepeilten Niveaus. Das berichtete EBIT drehte nach einer massiven Wertberichtigung im Vorjahr von minus 150 Millionen Euro auf plus 19,3 Millionen Euro ins Positive.
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ElringKlinger und die Strategie SHAPE30
Das Schlüsselwort bei ElringKlinger heißt derzeit SHAPE30 – eine Transformationsstrategie, die den Konzern bis 2030 profitabler, schlanker und zukunftsfähiger machen soll. Im Kern geht es darum, unrentable Bereiche abzustoßen und Ressourcen auf das klassische Kerngeschäft sowie auf Zukunftstechnologien wie Batterie- und Brennstoffzellentechnik zu konzentrieren.
Im abgelaufenen Jahr trennte sich ElringKlinger von seiner britischen Tochter hofer powertrain products UK – ein weiterer Schritt weg vom Systemgeschäft hin zum profitableren Komponentengeschäft. Flankiert wurde das durch das globale Personalsparprogramm STREAMLINE, dessen erste Wirkung sich laut Unternehmen bereits 2026 zeigen soll. Die volle Entlastung wird allerdings erst ab 2027 erwartet.
Gleichzeitig hat ElringKlinger im Bereich E-Mobilität massiv investiert: Über 140 Millionen Euro flossen 2025 in Zukunftstechnologien. Das ist der Hauptgrund dafür, dass der operative Free Cashflow von 58,4 auf 32,6 Millionen Euro zurückging.
E-Mobilität wächst – aber belastet noch das Ergebnis
Der Geschäftsbereich E-Mobilität – also Batterie- und Brennstoffzellentechnologie – steigerte seinen Umsatz von 103 auf 144 Millionen Euro. Das ist ein deutliches Wachstum. Doch gleichzeitig verzeichnet dieser Bereich ein bereinigtes EBIT von minus 61,6 Millionen Euro. Die hohen Anlaufkosten für neue Großserienaufträge drücken also noch erheblich auf die Konzernmarge. Das klassische Geschäft von ElringKlinger – Dichtungen, Abschirmtechnik, Leichtbau – trägt nach wie vor verlässliche Ergebnisse bei und finanziert den Aufbau der Zukunftsbereiche.
Wie lange dieser Spagat noch aufrechterhalten werden kann, ohne die Bilanz zu belasten, ist eine der zentralen Fragen für die kommenden Jahre. Die Nettoverschuldung stieg auf 288 Millionen Euro, der Nettoverschuldungsgrad liegt bei 2,0 – noch im vom Konzern selbst angepeilten Zielbereich.
Ein langer Weg mit klarer Richtung
ElringKlinger ist ein Traditionsunternehmen im Wandel. Die Strategie ist klar formuliert, und die ersten Schritte sind gemacht. Aber der Weg vom klassischen Automobilzulieferer zum Anbieter von Elektromobilitätslösungen ist lang und kapitalintensiv. Die vollständigen und geprüften Zahlen sowie der Ausblick für 2026 werden am 26. März 2026 veröffentlicht. Dann dürfte es mehr Klarheit darüber geben, wie das Management den weiteren Verlauf einschätzt.









