Die The Platform Group AG (DE000A2QEFA1) blickt auf ein erfolgreiches erstes Halbjahr 2025 zurück und hat kürzlich ihre Jahresprognose angehoben. Mit sieben Übernahmen in diesem Jahr, darunter der strategische Einstieg in das Segment Optik & Hörgeräte sowie die Akquisition von We Connect Work im Baubereich, setzt das Düsseldorfer Unternehmen seinen Wachstumskurs fort. Gleichzeitig sorgt die geplante Umwandlung in eine SE & Co. KGaA für Diskussionen am Kapitalmarkt.
Im Gespräch mit NebenwerteWelt erläutern Dr. Dominik Benner, Vorstandsvorsitzender, und Björn Minnier, CFO, die Hintergründe der erhöhten Prognose, sprechen über die strategischen Übernahmen und deren Potenzial sowie über die Pläne zur Internationalisierung. Zudem nehmen sie Stellung zu der kritischen Berichterstattung und geben einen Ausblick auf die anstehende Hauptversammlung am 25. August in Düsseldorf.
NWW: Herr Minnier, die TPG hat die Prognose heute erhöht. Lag das an der Übernahme der vergangene Woche?
Björn Minnier: Wir haben unsere Prognose bei Umsatz und operativen Ergebnis erhöht. Dies hatte mehrere Faktoren. Zum einen war das erste Halbjahr über unserer Erwartung. Zum anderen sehen wir ein recht gutes, organisches Wachstum. Und drittens hatten wir dieses Jahr bereits sieben Übernahmen, die hier reinspielen, wenn auch überwiegend im zweiten Halbjahr. Daher denken wir, hier eine sehr starke Basis zu haben, um das beste Geschäftsjahr der Firmengeschichte abzuschließen.
NWW: TPG plant nun ein EBITDA von 54-58 Mio. Euro. Wie viel Kaufpreisallokationseffekte sind darin enthalten?
Björn Minnier: Unser operatives Ergebnis, das bereinigte EBITDA, ist um Sondereffekte bereinigt. Das bedeutet, dass Kaufpreiseffekte komplett rausgerechnet sind, also bereinigt wurden. Dadurch stellen wir sicher, dass man unser operatives Ergebnis gut und transparent einordnen kann, also man die Performance von unserem operativen Geschäft versteht. Und diese ist sehr gut. Wir liegen mit unserer Marge am oberen Rande der Branche sowie unserer Peers, wobei wir nicht immer so gut vergleichbar sind.

NWW: Herr Benner, welches Ziel hat die Übernahme von We Connect Work?
Dr. Dominik Benner: Wir möchten in die Branche der Baustoffe sowie Sanitär-, Elektro- und Sanitärprodukte einsteigen. Und dies ausschließlich für B2B-Kunden. In dieser Branche gibt es bisher keine Plattformlösungen für B2B-Kunden, so dass wir einen attraktiven Markt vorfinden, der bisher kaum digitalisiert ist. Mit der Plattform We Connect Work haben wir nun den ersten Schritt gewagt und eine erfolgreiche Nischenplattform im Bereich der Handwerkerleistungen für Immobilienunternehmen erworben. Nun möchten wir diesen Bereich um die Produkte ergänzen, so dass die Handwerker und Immobilienunternehmen direkt über unsere Plattform ihre Produkte bestmöglich einkaufen und sourcen können. Das Potential hierin ist sehr groß, ein Milliardenmarkt.
NWW: Im Juni wurde der Eintritt in das Segment Optik & Hörgeräte bekannt gegeben. Welchen Einfluss hat das auf die künftige Entwicklung der TPG?
Dr. Dominik Benner: Im Juni 2025 haben wir uns umfangreich in die Branche eingekauft, dies mit der Übernahme der Optikergruppe Karrasch & Nolte sowie Beste Aussichten. Inzwischen sind es 30 Standorte, die mit unserer Brillen-Plattform myglasses.de verbunden sind. Der Bereich Optik & Hörgeräte ist stark auf teure Produkte und hohe Marge ausgerichtet, wir rechnen mit 25% EBITDA-Marge. Fielmann liegt hier ähnlich in der Marge. Wir haben uns entschlossen, den Bereich als eigenes Segment bei TPG abzubilden. Auch, weil wir aktiv hinzukaufen und der Bereich signifikant für die TPG wird.
NWW: Bei der Umwandlung in die geplante SE & Co. KGaA ist die Aktie um 20% gefallen. Wie schätzen Aktionäre die Umwandlung ein?
Björn Minnier: Das stimmt, eine solche Umwandlung wird oft mit einem Abschlag behandelt. Wir haben von Aktionären sowohl positive wie kritische Rückmeldungen erhalten. Denn andere Unternehmen wie Henkel, Stroer, Fresenius oder Bertelsmann haben hier das gleiche umgesetzt, insofern ist es kein neuer Vorgang. Und bei den kritischen Kommentaren waren Wünsche an die Verbesserung der Corporate Governance gegeben und mehr Transparenz. Diesem werden wir gerne künftig besser nachkommen.
NWW: Wie lief das erste Halbjahr 2025?
Dr. Dominik Benner: Wir publizieren die Zahlen für das erste Halbjahr im August. Aber was wir vorab sagen können: Die Ergebnisse waren sehr positiv, sowohl bei Umsatz und Ergebnis. Der CashFlow ebenso über dem Vorjahreszeitraum.
NWW: Das Manager Magazin hat einen kritischen Bericht verfasst. Wie ist Ihre Sichtweise darauf?
Björn Minnier: Wir distanzieren uns ausdrücklich von diesem Artikel. Unsere Kanzlei Von Have Fey ist nach Prüfung des Artikels der Auffassung, dass die Berichterstattung rechtswidrig ist, inhaltlich handelt es sich um falsche Darstellungen. Entsprechend distanzieren wir uns von den Aussagen des Magazins und haben eine Erwiderung online zur Verfügung gestellt: https://www.tpg-fakten-gegen-mythen.de/
NWW: Kritiker sagen, dass der Vorstand der TPG sehr konservativ die Guidance gestaltet. Wie beurteilen Sie dies?
Dr. Dominik Benner: Als Vorstand versuchen wir, eine realistische Planung vorzunehmen. Entsprechend nehmen wir einen Bottom-up Ansatz bei den Beteiligungen vor und planen sehr granular dies für das Gesamtjahr. Ob manche sagen, dass dies konservativ ist, will ich nicht beurteilen. Es wird glaube ich oft unterschätzt, dass wir stark durch unsere Partner wachsen und wenn deren Anzahl steigt, steigt auch der Umsatz und Gewinn.
NWW: Die TPG ist bisher wenig international. Soll sich dies künftig ändern?
Björn Minnier: Das stimmt, das sehen wir auch als Schwäche an. Wir haben uns daher vorgenommen, die Internationalität zu erhöhen und stärker im Ausland zu wachsen. Hierz haben wir bereits konkrete Maßnahmen festgelegt und gehen dort entsprechend vor. Ich denke, dass sich dies auch in den Zahlen 2026 stärker zeigen wird.
NWW: Die Hauptversammlung findet am 25. August in Düsseldorf statt. Was ist Ihre Einschätzung?
Dr. Dominik Benner: Da lassen wir uns überraschen. Durch den geplanten Formwechsel wird es sicherlich mehr Fragen und Kommentare geben. Entsprechend nehmen wir uns die Zeit für unsere Aktionäre.
NWW: Meine Herren, vielen Dank für das Gespräch.







