Zusammenfassung
- Planmäßiger Umsatzrückgang: H1 2025 -10,1 % auf 20,2 Mio. EUR, Q2 -18,1 % auf 9,2 Mio. EUR – bewusster Fokus auf margenstärkere Produkte.
- Margen stabilisiert: Bruttomarge H1 bei 46,1 %, Q2 bei 47,8 % – erste Erholung nach dem Goldpreisschock sichtbar.
- Kostenbremse greift: Vertriebs- und Verwaltungskosten in Q2 um 16 %, bereinigt um 24 % gesenkt; Q2-EBITDA wieder positiv.
- Internationalisierung als Hebel: KI-gestützte Kanäle in Spanien/Italien skalieren, Start in Polen am 1. Oktober 2025.
Die Elumeo SE hat im ersten Halbjahr 2025 unter Beweis gestellt, dass ein radikaler Strategiewechsel nicht nur auf dem Papier funktioniert. Der Berliner Schmuckhändler, bekannt durch seinen TV-Kanal „Juwelo“ und diverse Online-Shops, hat in den vergangenen Monaten sein Geschäftsmodell deutlich verschlankt – und dabei den ersten Schritt zurück in die Gewinnzone gemacht. Noch ist der Weg steinig, aber die Richtung stimmt.
Halbjahreszahlen: Weniger Umsatz, mehr Kontrolle
Dass der Umsatz im ersten Halbjahr um gut zehn Prozent auf 20,2 Mio. Euro zurückging, war keine Überraschung – es war Teil des Plans. Elumeo hat sich bewusst aus margenschwachen Produktkategorien verabschiedet, allen voran Schmuckstücke unter 50 Euro, und die tägliche Live-Sendezeit im TV von 15 auf 10 Stunden gekürzt. Die frei gewordenen Slots füllen nun automatisierte Formate, die aus bestehenden Inhalten gespeist werden – ein klarer Schritt hin zu mehr Effizienz und einer besseren Auslastung der profitablen Sendeplätze.
Belastend wirkte der Verlust von Kabel-TV-Haushalten in Deutschland nach dem Wegfall des „Nebenkostenprivilegs“. Das TV-Kerngeschäft verlor so 26 % seiner aktiven Kunden. Dennoch gelang es, den durchschnittlichen Bestellwert im Webshop deutlich zu steigern: plus 16 % beim Stückpreis und plus 28 % Umsatz pro Kunde. Diese Entwicklung zeigt, dass die Kundenbasis zwar kleiner, dafür aber deutlich kaufkräftiger geworden ist – ein wesentlicher Punkt, wenn es um die künftige Profitabilität geht. Außerdem stützt der Mix-Effekt die Bruttomarge: Weniger günstige „U50“-Artikel bedeuten weniger Handling-Aufwand pro Euro Umsatz und geringere Retourenrisiken.
Kostenbremse wirkt – Eleumeo mit ersten schwarze Zahlen im Quartal
Das Kostensenkungsprogramm, das am 1. April startete, hat bereits deutliche Spuren hinterlassen. In Q2 sanken die Vertriebs- und Verwaltungskosten um 16 %, bereinigt um einmalige Restrukturierungskosten sogar um 24 %. Neben dem Abbau von 50 Vollzeitstellen wirkte insbesondere die Verschlankung operativer Prozesse: weniger Kleinstaufträge, einfachere Logistik, geringerer Personaleinsatz in Produktion und Kundenservice. Auch die Werbeausgaben wurden stärker auf messbare Online-Performance und hochkonvertierende Formate ausgerichtet.
Besonders bemerkenswert: Nach zwei Verlustquartalen gelang mit einem bereinigten EBITDA von 73.000 Euro wieder ein positives Quartalsergebnis – ein psychologisch wichtiger Meilenstein für Management, Belegschaft und Kapitalmarkt. Dass die Bruttomarge in Q2 auf 47,8 % anzog, passt ins Bild: Der Goldpreis stabilisierte sich nach dem Frühjahrssprung, und neue „Premiere“-Produkte legten beim Profit pro Sendeminute wieder zu. Der Effekt aus Sortimentsbereinigung und Preispunkten wird in den kommenden Quartalen voraussichtlich klarer sichtbar, weil Abverkauseffekte aus Q1 auslaufen.
Ein Treiber der Effizienz ist der „Gamerobot“ – eine automatisierte Ausspielung vorhandener Verkaufssendungen. Die zusätzlichen fünf Robot-Stunden pro Tag generierten in Q2 einen Umsatzsprung von 257 % auf über 0,5 Mio. Euro – bei minimalen Zusatzkosten. In bestimmten Zeitschienen erzielen die robotergesteuerten Shows inzwischen Umsätze nahe an Live-Slots. Unter dem Strich erhöht das die Planbarkeit, senkt die Produktionskosten und reduziert die Abhängigkeit von Presenter-Verfügbarkeiten.

Internationalisierung: KI als Wachstumsmotor
Während in Deutschland Reichweite verloren geht, baut Elumeo seine internationale Präsenz weiter aus. Herzstück ist die KI-gestützte Übersetzungs- und Ausspielplattform, die deutsche Liveshows in andere Sprachen überträgt und automatisiert sendet. In Spanien und Italien läuft das Modell bereits erfolgreich, mit einem Run-Rate von über einer Million Euro Umsatz – bei sehr schlanker Kostenbasis. Entscheidend ist hier die Unit Economics: Inhalte werden einmal in Berlin produziert und anschließend in mehreren Ländern verwertet. Skaleneffekte entstehen also nicht nur im Einkauf, sondern vor allem in der Content-Produktion.
Die nächsten Schritte sind klar: Am 1. Oktober startet ein eigener Kanal in Polen, im vierten Quartal folgt ein weiterer Markt außerhalb der Eurozone. Das Potenzial ist groß – aktuell erreicht Elumeo erst rund 23 % der europäischen Haushalte. Je mehr Länder hinzukommen, desto besser lassen sich Technik, Content und Fulfillment auslasten. In den Kennzahlen zeigt sich dieser Effekt bereits: Der Umsatz pro aktivem Web-Kunden stieg im Jahresvergleich deutlich, und die Profitabilität neuer Web-Kunden nach 60 Tagen verbesserten sich. Das ist wichtig, weil internationale Web-Kohorten tendenziell eine höhere Wiederkaufsrate aufweisen als TV-Erstkäufer.
Nicht zu unterschätzen ist der Zeithorizont. Das Langfristziel #juwelo100 – 100 Mio. Euro Jahresumsatz – bleibt intakt, wird wegen des Sparmodus jedoch um bis zu drei Jahre verschoben. Für Investoren ist das verkraftbar, solange die Profitabilität zuerst stabilisiert wird und der internationale Rollout messbare Meilensteine liefert. Genau daran wird sich das Management messen lassen müssen: Reichweitenaufbau, Akquisitionskosten je Neukunde, CLV-Entwicklung und eine Bruttomarge, die im oberen Ende des Zielkorridors landet.
Risiken nicht vom Tisch
So überzeugend die Fortschritte sind – Risiken bleiben. Der Schmuckhandel ist stark abhängig vom Goldpreis, der in den vergangenen Quartalen erheblich schwankte und die Marge unter Druck setzte. Auch das Konsumklima in Europa ist erst in einer frühen Erholungsphase. Hinzu kommt die strukturelle Veränderung im TV-Markt: Der Verlust von Kabelhaushalten dürfte dauerhaft sein; neue Reichweitenquellen (IP-TV, FAST-Channels, Social Video) brauchen Zeit, um eine vergleichbare Wiederkaufsdynamik aufzubauen. Übergangsrisiken bestehen zudem organisatorisch: Restrukturierungen strapazieren Teams, Prozesse und teils auch Lieferantenbeziehungen – sauberes Change-Management ist Pflicht.
Auf der anderen Seite gibt es potenziell positive Überraschungen: Ein laufender Rechtsstreit mit einem Kabelnetzbetreiber könnte im Erfolgsfall einen nennenswerten Mittelzufluss bringen und dauerhaft Gebührenlasten senken – ein bilanzwirksamer Hebel, der nicht im operativen Ausblick steckt. Operativ deuten Q3-Teildaten auf eine Fortsetzung der Verbesserung hin: geringere Stückzahlen bei höheren Preispunkten, eine weitere Erholung der Bruttomarge und ein gegenüber dem Vorjahr reduzierter Umsatzrückgang. Sollte sich dieses Muster bis Jahresende verfestigen, wäre der nächste logische Schritt ein klar positives EBITDA auf Jahressicht 2026.

Ausblick
Für 2025 bleibt die Prognose unverändert: Umsatzrückgang zwischen 10 und 15 %, Bruttomarge zwischen 47 und 49 % und ein bereinigtes EBITDA zwischen -0,5 und +0,1 Mio. Euro. Der Fokus liegt im zweiten Halbjahr darauf, die Kosteneffekte vollständig im Ergebnis ankommen zu lassen und die internationale Taktung hochzuhalten – ohne die Liquidität zu überdehnen. Wer auf den Turnaround schaut, sollte drei Signale im Blick behalten: erstens die Bruttomarge (ob sie im oberen Band ankommt), zweitens die Entwicklung der internationalen Kohorten (CLV vs. CAC) und drittens die Fähigkeit, robotergesteuerte Sendeplätze weiter zu monetarisieren.
Anlageurteil für Elumeo-Aktie
Elumeo ist aktuell kein Wachstumswert – noch nicht. Die Aktie ist vielmehr eine Turnaround-Story für Anleger mit Geduld und Risikobereitschaft. Die Investment-These steht auf drei Säulen: konsequentes Kosten- und Mix-Management, skalierbare Internationalisierung auf einer KI-gestützten Plattform und optionales Upside aus dem Rechtsfall. Kurzfristig bleibt der Titel spekulativ; mittelfristig bietet er überdurchschnittliches Erholungspotenzial, wenn die Marge in den Zielkorridor zurückkehrt und die neuen Länder schneller skalieren als erwartet. Für antizyklische Investoren mit längerem Atem bleibt Elumeo damit ein konstruktiver Spezialwert – mit Chancen, aber klar definierten Hausaufgaben.







