Die Chemiebranche befindet sich weiterhin in einer Phase der Neuorientierung – und Wacker Chemie (ISIN: DE000WCH8881) ist dafür ein gutes Beispiel. Der Konzern hat seine endgültigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2025 bestätigt und damit ein Jahr abgeschlossen, das von schwacher Nachfrage, hohen Energiekosten und strukturellen Anpassungen geprägt war. Umsatz und operative Kennzahlen gingen deutlich zurück. Gleichzeitig arbeitet das Unternehmen intensiv daran, seine Kostenbasis zu senken und sich strategisch neu auszurichten. Für 2026 erwartet das Management zumindest eine leichte Erholung – allerdings bleibt das Marktumfeld anspruchsvoll.
Wacker Chemie unter Druck durch schwache Nachfrage
Im Geschäftsjahr 2025 erzielte Wacker Chemie einen Konzernumsatz von 5,49 Milliarden Euro. Damit lag der Erlös rund vier Prozent unter dem Vorjahr. Noch stärker fiel der Rückgang beim operativen Ergebnis aus. Das EBITDA sank auf 427 Millionen Euro, nachdem im Jahr zuvor noch 744 Millionen Euro erreicht worden waren. Hauptursachen waren geringere Absatzmengen, niedrigere Preise sowie eine schwächere Auslastung der Produktionsanlagen. Zusätzlich belasteten weiterhin hohe Energiekosten in Europa.
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Besonders stark fiel der Effekt von Sonderaufwendungen aus. Restrukturierungen, Abschreibungen sowie Wertberichtigungen summierten sich auf rund 600 Millionen Euro. Dadurch rutschte das Unternehmen unter dem Strich in die Verlustzone. Das Jahresergebnis lag bei minus 805 Millionen Euro. In der Folge will das Unternehmen für das Geschäftsjahr 2025 keine Dividende ausschütten.
Die Entwicklung zeigt zugleich, wie stark die gesamte Chemieindustrie derzeit unter Druck steht. Viele Kundenbranchen investieren zurückhaltend. Gleichzeitig sorgen geopolitische Spannungen und Handelskonflikte für zusätzliche Unsicherheit in globalen Lieferketten.
Kostenprogramm soll Wende vorbereiten
Als Reaktion auf die schwierige Lage hat Wacker Chemie ein umfassendes Kostensenkungsprogramm gestartet. Unter dem Projektnamen PACE soll die Kostenbasis langfristig um mehr als 300 Millionen Euro pro Jahr reduziert werden. Dazu gehören Anpassungen in Produktion und Verwaltung. Weltweit sollen über 1.500 Stellen wegfallen.
Parallel arbeitet der Konzern daran, sein Geschäftsmodell stärker auf wachstumsstärkere Bereiche auszurichten. In den Chemiesparten liegt der Fokus künftig stärker auf Spezialchemie. Im Polysiliziumgeschäft soll insbesondere der Halbleitermarkt im Mittelpunkt stehen. Gleichzeitig will die Life-Science-Sparte Biosolutions stärker auf Biotechnologie-Anwendungen setzen.
Diese strategische Neuausrichtung ist auch deshalb wichtig, weil sich die globalen Märkte für Chemieprodukte verändern. Neue Wettbewerber drängen in den Markt, während gleichzeitig Überkapazitäten entstehen.
Ausblick: leichtes Wachstum in Sicht
Für das laufende Jahr rechnet Wacker Chemie mit einer vorsichtigen Stabilisierung. Der Konzern erwartet ein Umsatzwachstum im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Beim EBITDA wird eine Spanne zwischen 550 und 700 Millionen Euro prognostiziert. Damit würde das operative Ergebnis wieder deutlich über dem Niveau von 2025 liegen.
Treiber könnten vor allem steigende Absatzmengen sein. Allerdings dürften Währungseffekte sowie weiterhin hohe Energiekosten einen Teil der Verbesserung wieder aufzehren.
Die Zahlen zeigen: Die Branche befindet sich mitten in einem Anpassungsprozess. Wacker Chemie setzt dabei klar auf Kostendisziplin und technologische Spezialisierung. Ob diese Strategie schnell genug Wirkung zeigt, dürfte eines der zentralen Themen der kommenden Jahre bleiben.









